Allergie: Fragen und Antworten

Wiederkehrende Fragen haben wir in einer Übersicht zusammengestellt

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Wie wird eine Allergie festgestellt?

Die schnellste Methode ist die sogenannte „Pricktestung“. Dabei wird eine geringe Menge der in Frage kommenden Allergene auf die Haut der Unterarminnenseiten getropft und durch kleine Stiche mit einer speziellen Nadel in die oberste Hautschicht gebracht. Bei einer Allergie bildet sich bereits nach ca. 20 Minuten eine Quaddel, die von einer Rötung umgeben ist. Man spricht von einer Sensibilisierung, wenn die Größe der Hautreaktion zumindest 3 mm beträgt. Ein Labortest ist alternativ oder ergänzend möglich. Dazu wird Ihnen etwas Blut abgenommen. Im Labor wird untersucht, ob das Blut Antikörper enthält, die das Immunsystem gegen die krankmachenden Allergene gebildet hat. Das Testergebnis liegt meist nach wenigen Tagen vor.

Sollte eine Allergie behandelt werden?

Eine Allergie sollte behandelt werden, wenn Sie unter klinischen Beschwerden wie Naselaufen, Niesattacken, geröteten und juckenden Augen und Atemnot leiden. Haben Sie diese Symptome nur wenige Tage, reichen meist antiallergische Medikamente aus, die Sie in der Apotheke bekommen. Sind jedoch die Beschwerden stärker und beeinträchtigen Sie während des Tages, so kann eine spezifische Immuntherapie u.U. helfen. Hierdurch kann auch das Risiko, ein allergisches Asthma zu entwickeln, reduziert werden. Die spezifische Immuntherapie hilft aber auch unmittelbar, die Symptome zu lindern. Derzeit ist bekannt, dass nur die spezifische Immuntherapie das Fortschreiten der Allergie verhindern und gegen die Entwicklung von neuen Allergien helfen kann (kausale Therapie).

Ab wann und wie lange wird die spezifische Immuntherapie (SIT) durchgeführt?

Etwa ab dem 5. vollendeten Lebensjahr kann die Behandlung aufgenommen werden, wenn entsprechende Symptome wie allergischer Schnupfen, allergische Bindehautentzündung oder ein allergisches Asthma bronchiale vorliegen. Der Arzt hat vor dem Beginn der Behandlung durch eine Reihe von Untersuchungen festgestellt, welche Allergene für die Erkrankung verantwortlich sind. Außerdem hat er abgeklärt, ob Begleiterkrankungen vorliegen, die einer spezifischen Immuntherapie im Wege stehen. Wenn alle Ergebnisse der Untersuchungen für die Einleitung einer Behandlung sprechen, sollte sie so bald wie möglich begonnen werden. Den genauen Zeitpunkt legt Ihr Arzt fest.

Wie lange dauert eine spezifische Immuntherapie (SIT)?

Unabhängig vom Allergen und der Art der Behandlung (Spritzentherapie beim Arzt oder sublinguale Therapie zuhause) wird eine ca. dreijährige Therapie empfohlen. Studien haben ergeben, dass eine Langzeitwirkung bei einer dreijährigen Therapie besser eintritt als bei kürzeren Behandlungszeiträumen. Bei Insektengiften (Biene und Wespe) empfehlen die Allergieexperten u.U. auch längere Behandlungszeiträume (5 Jahre) und länger bei Patienten mit bestimmten Risikofaktoren.

Kann eine spezifische Immuntherapie (SIT) auch in einem Alter über 65 Jahre erfolgen?

Ja, es gibt nach der 2014 erschienen Leitlinie zur Hyposensibilisierung keine obere Altersgrenze. In einer kürzlich veröffentlichten Studie (2016) mit Patienten zwischen 65 und 75 Jahren konnte gezeigt werden, dass die Patienten trotz ihres Alters von der SIT profitieren. Die Verträglichkeit war auch in dieser Altersgruppe sehr gut. Die Patienten hatten überwiegend nur kleine lokale Reaktionen an der Injektionsstelle. Es waren auch Pateinten in die Studie eingeschlossen worden, die Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes hatten. Die Begleiterkrankungen hatten keinen Einfluss auf die Verträglichkeit oder Wirksamkeit der SIT.

Wird die Fahrtüchtigkeit durch eine spezifische Immuntherapie (SIT) beeinflusst?

Bei einigen Menschen kann nach der spezifischen Immuntherapie (SIT) eine leichte Müdigkeit auftreten. In der Packungsbeilage Ihres Allergenpräparates finden Sie dazu entsprechende Hinweise. Viele Präparate haben nur einen geringen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen. Üblicherweise erhalten Sie zudem in der Fortsetzungsbehandlung der spezifischen Immuntherapie nur eine Injektion im Abstand von 4 oder mehr Wochen. Somit können Sie diesen Termin ja vorab mit Ihrem Arzt abstimmen oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen.

Anders ist es bei den sogenannten Antihistaminika. Hier gibt es Präparate der „älteren Generation“, deren tägliche Anwendung zu einer nachweislichen Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit führen kann.

Welche Gefahren gehen von einer unbehandelten Insektengiftallergie aus?

Beim nächsten Stich durch eine Biene oder Wespe könnte sich die gleiche oder sogar eine noch stärkere und möglicherweise lebensgefährliche Reaktion ereignen. Sie sollten deshalb auf jeden Fall ab Februar bis November immer ein Notfallset bei sich haben, da in dieser Zeit Bienen und Wespen anzutreffen sind. Wenn Sie nicht durch eine spezifische Immuntherapie geschützt sind, kann dies auch andere Menschen gefährden, wenn Sie z.B. am Straßenverkehr teilnehmen und durch einen Insektenstich beeinträchtigt sind und einen Unfall verursachen.

Kann trotz einer Autoimmunerkrankungen eine spezifische Immuntherapie (SIT) durchgeführt werden?

Je nach Art und Schweregrad und Therapie der Autoimmunerkrankung kann im Einzelfall eine spezifische Immuntherapie in Erwägung gezogen werden, wie in einer Leitlinie der allergologischen Fachgesellschaften aus 2014 nachzulesen ist.

Eine generelle Aussage ist jedoch nicht möglich und hängt von der Art der Autoimmunerkrankung, den Symptomen und Beschwerden und dem bisherigen Verlauf ab. Auch ist es für die Beurteilung, ob eine SIT ggf. begonnen werden kann von Bedeutung, ob und welche Art von medikamentöser Therapie wegen der Autoimmunerkrankung erfolgte bzw. derzeit durchgeführt wird.

Es sollte immer eine individuelle Nutzen-Risikoabwägung unter Einbeziehung des Facharztes, der die Autoimmunerkrankung betreut, erfolgen.

In vielen Fällen kann auch bei einer Autoimmunerkrankung eine spezifische Immuntherapie durchgeführt werden.

Kann eine spezifische Immuntherapie (SIT) in Spritzenform durchgeführt werden, wenn zuvor nach einer anderen Schutzimpfung (z.B. Diphterie-Tetanus-Impfung) lokale Nebenwirkungen auftraten?

Zur Beantwortung der Fragestellung gibt es keine klinischen Daten, die publiziert worden sind. Folgendes ist jedoch gesichert: Während bei der (Diphterie-Tetanus-) Impfung Ihr Arzt die Injektion in den Muskel des Oberschenkels oder Oberarmes gibt, wird bei der spezifischen Immuntherapie die Injektion unter der Haut liegende Fettgewebe des Oberarmes (subkutan) verabreicht. Eine schlecht vertragene Schutzimpfung lässt keine Rückschlüsse auf die Verträglichkeit einer spezifischen Immuntherapie zu. Allerdings wird empfohlen, dass die Nebenwirkungen der Schutzimpfung zuerst abklingen sollen, bevor die spezifische Immuntherapie gespritzt wird. Grundsätzlich sollte ein Abstand von ca. 14 Tagen zwischen einer Immuntherapie und einer Impfung eingehalten werden.

Kann eine spezifische Immuntherapie (SIT) bei einer Unverträglichkeit auf frisches Obst wie Äpfel, Pflaumen und Kirschen helfen?

Viele Menschen, die im Frühjahr auf Baumpollen von Erle, Hasel und Birke mit allergischen Beschwerden reagieren, geben an, dass sie Kernobst (Äpfel, Pflaumen, Kirschen) und Gemüsesorten sowie Nüsse und Hülsenfrüchte zumindest roh nicht gut vertragen. Dies liegt an der Kreuzallergie zwischen den Pollenallergenen und bestimmten Eiweißen aus den Lebensmitteln. Die Beschwerden im Mund-Rachenbereich werden als „orales Allergiesyndrom“ OAS bezeichnet.

Das OAS kann sich an den Lippen, im Mund und auf der Zunge durch ein Brennen, Kribbeln, Jucken und/oder durch eine Schwellung bemerkbar machen.

Das Immunsystem dieser Menschen stuft beim Essen bestimmter Nahrungsmittel nicht nur die Allergene aus der Luft als „gefährlich“ ein, sondern zusätzlich auch die Eiweiße (Proteine) aus Nahrungsmitteln, die eine ähnliche Proteinstruktur aufweisen.

Wenn ein Patient nun eine spezifische Immuntherapie (SIT) gegen Baumpollen bzw. Birkenpollen erhält, so könnte dies auch positiven Einfluss auf das OAS haben. Die SIT kann dabei in Form einer subkutanen Immuntherapie mit Injektionen in den Oberarm (SCIT) oder als sublinguale Immuntherapie in Tropfen- oder Tablettenform unter die Zunge (SLIT) erfolgen.

Für beide Behandlungsformen gibt es Studien, die zeigen, dass sich das OAS, ausgelöst durch Kernobst, Haselnüsse oder Erdnüsse, durch die SCIT bzw. SLIT verbesserte.

Allerdings gab es auch je eine Studie, bei der keine Verbesserung des OAS, verursacht durch Haselnüsse oder Äpfel, gefunden werden konnte.

Nach Expertenmeinung ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine SIT aufgrund eines OAS ohne allergische Beschwerden durch Pollenallergene (Birke) an den Atemwegen nicht zu empfehlen.

Wie lange die mögliche Verbesserung oder das Verschwinden des OAS während und nach der SIT anhält, kann nicht im Vorfeld angegeben werden und kann sich von Patient zu Patient stark unterscheiden. Wie die Studienergebnisse aber zeigen, ist die Chance gar nicht so schlecht, dass eine Verbesserung eintritt.

Wie lange dauert es, bis das Allergenpräparat für die spezifische Immuntherapie an die Apotheke ausgeliefert wird?

Allergenpräparate zur Therapie sind rezept- und apothekenpflichtig. Im Gegensatz zu anderen Medikamenten sind viele Allergenpräparate nicht in der Apotheke vorrätig, sondern müssen erst beim Hersteller bestellt werden.

Neben Einzelallergenen und Mischungen, die schon als zugelassene Fertigarzneimittel vorliegen, können auch patientenindividuelle Rezepturen vom Arzt verordnet werden. Solche Allergenmischungen müssen für Sie dann erst individuell hergestellt werden.

Da Allergenpräparate für die subkutane Immuntherapie zudem bei +2 bis +8 C° gelagert werden sollen, werden diese per Kühlkette an die Apotheken ausgeliefert.

Das heißt, vom Auftragseingang bis zur Auslieferung an die Apotheke können bis zu zwei, bei Individualrezepturen bis zu drei Wochen (in Einzelfällen auch länger) liegen.

Somit ist es empfehlenswert, rechtzeitig genug, bevor die Allergenlösung aufgebraucht ist, ein neues Rezept zu besorgen und in der Apotheke abzugeben, um

Ist das Mitführen eines Notfallsets weiterhin erforderlich, wenn gerade eine Hyposensibilisierung gegen Insektengifte (Biene, Wespe) durchgeführt wird?

Insektengiftallergiker bekommen in der Regel von ihrem Arzt ein Notfallset verordnet, das sie immer mit sich führen und bei einem erneuten Insektenstich benutzen können, falls sich eine sehr starke allergische Reaktion ankündigt. Dieses Set enthält unter anderem einen Adrenalin-Autoinjektor zur Selbstinjektion. Die Allergieexperten haben in einer Leitlinie mit dem Titel „Diagnose und Therapie der Bienen- und Wespengiftallergie“ zu obiger Fragestellung folgende Empfehlung abgegeben:

Auch Patienten, die eine Hyposensibilisierung gegen Insektengift (Bienen- oder Wespengift) erhalten, sollten zur Abdeckung des Restrisikos einer erneuten schweren Reaktion nach einem Insektenstich die Notfallmedikation weiter mit sich führen. Dies gilt auch, wenn eine Stichprovokation zur Überprüfung des bisherigen Therapieerfolges ohne eine schwere (systemische) Allgemeinreaktion verlaufen ist.

Insbesondere bei Patienten mit weiteren Risiken in der Krankengeschichte ist dies zu empfehlen.

Die Hyposensibilisierung mit Insektengiften soll mindestens drei (bis fünf) Jahre durchgeführt werden. Danach wird Ihr behandelnder Arzt mit Ihnen individuell entscheiden, ob Sie weiterhin ein Notfallset benötigen.  

Hilft ein Matratzenüberzug, um eine Milbenallergie zu bekämpfen?

Die Allergenvermeidung hat einen großen Stellenwert in der Allergiebehandlung.

Die derzeitige Empfehlung der allergologischen Fachgesellschaften lautet, dass vor einer spezifischen Immuntherapie gegen Hausstaubmilben erst für drei Monate Präventionsmaßnahmen ausprobiert werden sollen. Dabei werden im Einzelnen milbenallergendichte Matratzenüberzüge (Encasings) und waschbare Bettdecken genannt.

Die Studienlage zur Wirksamkeit der Encasings ist nicht eindeutig. Einige Studien zeigten einen positiven Einfluss von Encasings auf die allergischen Beschwerden der Patienten. Bei anderen Studien war kein Unterschied zwischen der Gruppe an Patienten, die ein Encasing im Vergleich zu den Patienten, die nur einen Baumwollüberzug verwendeten, festzustellen.

Deshalb ist eine produktspezifische Betrachtungsweise notwendig. Insbesondere ist auf gute Qualität von Nähten und Reißverschlüssen zu achten.

Allerdings ist zu beachten, dass es bei den im Handel angebotenen Matratzenüberzügen deutliche Qualitätsunterschiede gibt. Sie finden in den Zeitschriften ÖKO-Test und Stiftung-Warentest immer wieder aktuelle Testergebnisse zu Matratzenüberzügen. Viele Hersteller geben bis zu 10 Jahre Garantie auf die Encasings. Diese sollten zudem regelmäßig gewaschen werden.

Manche Krankenkassen haben aber Exklusivverträge mit einzelnen Herstellern von Encasings. Die Kosten werden dann nur für die entsprechenden Produkte übernommen. Wenn die Testsieger aus o.g. Zeitschriften nicht dabei sind, sollten Sie dies mit Ihrer Krankenkasse besprechen.

Wer häufig anderswo übernachtet – ob im Urlaub oder beruflich bedingt – wird weiterhin regelmäßig mit Milbenallergenen in Kontakt kommen. Da Milben aber auch auf Teppich-böden, Polstermöbeln und Kleidung vorkommen, ist für viele Patienten das Encasing alleine nicht ausreichend, um beschwerdefrei zu werden. Zusätzlich sollte dann die Möglichkeit einer spezifischen Immuntherapie geprüft werden.

Gibt es eine spezifische Immuntherapie (SIT) gegen Kuhmilch?

Bisher gibt es keine kommerziell erhältliche subkutane oder sublinguale Immuntherapie bei einer Kuhmilchallergie.

Abzugrenzen von einer Allergie gegen Kuhmilch, die besonders bei Kleinkindern und Kindern von Bedeutung ist, ist die Milchzuckerintoleranz (Laktoseintoleranz) bei Erwachsenen, für die es ebenfalls keine SIT gibt.

In Studien konnte gezeigt werden, dass die orale Immuntherapie (OIT) zu einer verbesserten klinischen Toleranz auf Milch im Kindes- und Erwachsenenalter geführt hat. Allerdings traten bei vielen Patienten unter der oralen Immuntherapie Nebenwirkungen auf.

Die OIT sollte deshalb nicht Zuhause ausprobiert werden.

Die Behandlung beginnt bei der OIT mit z.B. einem Viertel Teelöffel Milch und wird dann über Wochen so lange gesteigert, bis ein Glas Milch toleriert wird. Die Autoren der Studie empfahlen den Kindern, deren Immunsystem eine Toleranz aufgebaut hatte, täglich Milch zu trinken, um die Verträglichkeit zu erhalten. Möglicherweise würde diese sonst wieder verschwinden, sobald die Kinder auf die Milch verzichten.

Soll mein Kind die sublinguale Immuntherapie (SLIT) nüchtern oder nach dem Essen durchführen?

In der jeweiligen Gebrauchsinformation, die jeder Packung beiliegt, ist beschrieben, wann die SLIT-Tropfen oder -Tabletten eingenommen werden sollen.

Für manche Präparate ist keine Empfehlung ausgesprochen, so dass der Patient selber ausprobieren kann, ob er lieber morgens nüchtern oder nach einer Mahlzeit die Tropfen anwenden möchte.

In anderen Gebrauchsinformationen findet sich die Anweisung, dass nach Einnahme der Allergentablette fünf Minuten nichts gegessen oder getrunken werden soll.

Wichtig ist, dass Ihr Kind die SLIT täglich durchführt. Ob nüchtern oder nach dem Essen kann nach individuellen Vorlieben und der bestmöglichen Verträglichkeit festgelegt werden, sofern die Gebrauchsinformation nichts anderes vorschreibt.

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