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Ärzte erklären

Insekten als Nahrungsmittel - Ein neues Risiko für Allergiker?

Zu Beginn des Jahres 2023 gab es eine Neuerung im Bereich der Novel Foods (neuartigen Lebensmittel). Zu den Novel Foods werden alle Lebensmittel gezählt, die nach dem 15.05.1997 in der Europäischen Union für den menschlichen Verzehr eingeführt wurden. Dazu gehören nicht nur Lebensmittel, deren Molekularstruktur verändert wurde oder die auf technisch hergestellten Nanomaterialien basieren, sondern auch Lebensmittel aus Pflanzen und Tieren oder deren Teilen. So wurden im Rahmen der Novel-Foods-Verordnung am 24.01.2023 folgende Insekten als Lebensmittel zugelassen:

  • Hausgrillen (lat. Acheta deomesticus) und die
  • Larven des Getreideschimmelkäfers (lat. Alphitobius diaperinus) können nun in Backwaren, Süßigkeiten und Getränken angeboten werden.

Die Hausgrille darf dabei in teilweise entfetteter Pulverform verwendet werden. Die Larven des Getreideschimmelkäfers dürfen hingegen in gefrorener, pulverisierter Form oder als Paste in Lebensmitteln verarbeitet werden.

Die Zulassung von bestimmten Insekten für den Verzehr in der EU ist aber keine neue Entwicklung. Bereits 2021 wurden die Larve des gelben Mehlwurms (lat. Tenebrio molitor) sowie die gemeine Wanderheuschecke (lat. Schistocerca gregaria) als neuartige Lebensmittel zugelassen.

 

Bleibt die Frage, ob die Kennzeichnung auf Lebensmitteln geregelt ist?

Aber Sie sollten sich nun keine Sorge machen, dass Sie versehentlich Insekten beim Verzehr von gewohnten Lebensmitteln essen könnten. Denn die erlassene EU-Verordnung schreibt ebenfalls vor, dass der Zusatz von Insekten transparent angegeben werden muss. Sogar der zur Kennzeichnung verwendete Text auf der Verpackung wird von der EU-Verordnung vorgeschrieben.

 

Insekten - in Zukunft ein Hauptbestandteil unserer Ernährung?

Da die Weltbevölkerung stetig wächst, ist es zunehmend schwieriger, den täglichen Proteinbedarf aller Menschen über tierisches und pflanzliches Eiweiß zu decken. Unter diesem Aspekt stellen Insekten eine vielversprechende Ergänzung dar. Denn Insekten vermehren sich sehr schnell und brauchen nur wenig Platz.

 

Welche Vorteile haben Insekten nun für die menschliche Ernährung?

Die Insektenzucht verbraucht im Vergleich zur Viehzucht deutlich weniger Ressourcen wie Wasser und Futtermittel, und erzeugt weniger CO2, was für eine bessere Klimabilanz sorgt. Außerdem sind Insekten sehr proteinreich, teilweise enthalten sie sogar doppelt so viel Eiweiß wie Rinder- oder Hühnerfleisch und übertreffen dabei auch Nüsse, Hülsenfrüchte und Getreide. Zusätzlich enthalten Insekten Omega 3- und 6-Fettsäuren, Spurenelemente und sind reich an Mineralstoffen.

 

Insekten in Lebensmittel könnten für einige Allergiker problematisch sein

Beim Verzehr von insektenhaltigen Lebensmitteln ist insbesondere bei Allergikern Vorsicht geboten, die auf Hausstaubmilben oder Krustentiere allergisch reagieren. Denn die in der EU für den menschlichen Verzehr zugelassenen Insekten gehören zum Stamm der Gliederfüßer, zu denen ebenfalls die Hausstaubmilbe (Unterklasse: lat. Acari) und Krustentiere (Unterstamm: lat. Crustacea) gehören. Durch diese enge Verwandtschaft könnte es beim Verzehr von Lebensmitteln, in denen Insekten enthalten sind, möglicherweise zur Entwicklung einer Kreuzallergie kommen.

 

Was bedeutet Kreuzallergie und welche Reaktionen könnten auftreten?

Bei einer Allergie gegen Hausstaubmilben, die zu den Spinnentieren gehören, entwickeln Allergiker Antikörper der Klasse IgE gegen harmlose Proteine, die Bestandteil des Milbenkots und -körpers sind und welche allergische Beschwerden bei Kontakt mit Hausstaubmilben verursachen. Im Falle einer bekannten Kreuzallergie erkennen diese IgE-Antikörper strukturell ähnliche Proteine, die in Insekten wie den Küchenschaben vorkommen und verursachen dadurch ebenfalls eine allergische Reaktion. Eine solche Kreuzallergie könnte sich symptomatisch an den Atemwegen oder als lokale allergische Reaktion im Mund und Rachen, an der Zunge am Gaumen und an den Lippen in Form von Kribbeln, Jucken, Brennen oder Schwellungen äußern. Zumeist sind solche Reaktionen lokal und von milder Ausprägung. Allerdings könnte es möglicherweise auch zu allergischen Allgemeinreaktionen kommen, im schlimmsten Fall zur Entwicklung einer lebensbedrohlichen Anaphylaxie.

 

Ganz einfach: Allergiker verzichten auf den Konsum von Insekten - oder doch nicht so einfach?

Es bleibt abzuwarten, ob durch die Einführung von Insekten in unseren Speiseplan neue Allergien auftreten werden. Jeder Patient mit einer Hausstaubmilbenallergie oder einer Allergie gegen Krustentiere sollte individuell ausprobieren, ob überhaupt und wenn ja, in welchen Mengen solch neuartigen Lebensmitteln vertragen werden. In der EU-Verordnung ist eine detaillierte Kennzeichnung der Insekten enthaltenden Lebensmitteln vorgesehen. Ohnehin ist der Zusatz von Insektenmehl oder Proteinpulver auf 10-15 % begrenzt. Allerdings werden Insekten in Europa und Nordamerika, anders als in Ländern wie Asien, Lateinamerika und Afrika, in denen Insekten bereits regelmäßig konsumiert werden, vermutlich vorerst ein eher teures Nischenprodukt bleiben.

 

Gibt es weitere Probleme bei der Einführung von Insekten als Nahrungsmittel?

Aufgrund der bisher geringen Verbreitung des Insektenkonsums, insbesondere in den westlichen Ländern, wird die Diagnosestellung von Nahrungsmittelallergien gegen Insekten nicht routinemäßig angeboten. Wegen der geringen Nachfrage werden zurzeit auch keine gesicherten diagnostischen Testverfahren durchgeführt, um eine Nahrungsmittelallergie gegen Insekten nachzuweisen. Daher ist eine vorsichtige Einführung von neuartigen Lebensmitteln wie Insekten, insbesondere für Milbenallergiker, anzuraten.

 

Dr. med. Maan Al Haio (Facharzt für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde)

Westernstr. 2, 33098 Paderborn
Tel.: 05251 25673
E-Mail: team@hno-alhaio.de

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