Wissenswertes: Zur Hausstaubmilbenallergie

Was sind eigentlich Hausstaubmilben?

Hausstaubmilben sind winzige, für das bloße Auge kaum sichtbare Spinnentierchen mit acht Beinen. Sie sind lediglich 0,2 bis 0,4 mm groß und gehören zu den normalen Mitbewohnern aller Haushalte in unseren Breiten. An sich sind Milben völlig harmlos, da sie weder stechen, beißen noch Krankheiten übertragen.

Sie hören auf so wohlklingende Namen wie Dermatophagoides pteronyssinus (europäische Milbe) oder Dermatophagoides farinae (amerikanische Milbe). Der Name enthält bereits einen Hinweis auf die Lieblingsnahrung dieser Milben: griechisch derma = Haut und phagein = essen.

Allergiesymptome

Leider reagieren manche Menschen aber allergisch auf Milben. Dann können folgende Beschwerden auftreten:

Nase

  • Allergischer Schnupfen (Rhinitis) mit Niesreiz
  • Schleimhautschwellung
  • verstopfte oder laufende Nase (besonders in den Morgenstunden)

Augen

  • Allergische Bindehautentzündung (Konjunktivitis) mit Juckreiz, Rötung, Augentränen

Lunge

  • Allergisch bedingter Husten (Bronchitis) und Verschleimung
  • Allergisches Asthma mit akuter Atemnot

Haut

  • Juckreiz
  • Ausschlag
  • Nesselfieber

Die Beschwerden treten als Folge einer übersteigerten Reaktion des Immunsystems auf. Diese richtet sich gegen ansonsten harmlose Eiweiße, die die Milben auf dem Körper tragen und der in ihrem Kot enthalten ist. Durch die Atemluft werden diese Eiweißteilchen eingeatmet. Mediziner nennen dies eine inhalative Allergie.

Die auslösenden Eiweiße (Proteine), die sich im Milbenkörper und Milbenkot finden, werden als Allergene bezeichnet. Anders als beispielsweise Heuschnupfen (Pollenallergie), tritt eine Hausstaubmilbenallergie typischerweise das ganze Jahr über auf. Allerdings können sich die Beschwerden bei Milbenallergikern auch in Abhängigkeit von der Jahreszeit verstärken, meistens zu Beginn der Heizperiode.

Diagnostik

Suchen Sie bei Beschwerden möglichst frühzeitig einen Allergologen auf. Dieser wird Sie intensiv nach Ihrer Krankengeschichte befragen. Von Interesse sind dabei vor allem folgende Punkte:

  • Bestehen in Ihrer Familie vermehrt Allergien?
  • Wann und wo treten die Beschwerden auf?
  • Verstärken sich die Symptome im Herbst?
  • Besteht vor allem morgens vor dem Aufstehen Fließschnupfen und Atemnot?

Ist dies der Fall, könnte eine Hausstaubmilbenallergie bestehen. Ganzjährig auftretende Innenraumallergien werden aber auch durch Tiere und Schimmelpilze ausgelöst. Verschiedene Allergietests können Licht ins Dunkel bringen.

Allergietests decken Ursache auf

Zur gängigen Diagnostik bei einem Verdacht auf Allergien gehört der Haut- bzw. Pricktest. Der Arzt trägt hierzu verschiedenen Allergenlösungen auf den Unterarm auf. An der Stelle, wo sich auf der Haut Quaddeln und Rötungen bilden, liegt eine Allergie vor. Manchmal kann auch ein Bluttest Klarheit bringen, bei dem spezielle Antikörper gegen Milben nachgewiesen werden.

Bestätigung bringt auch ein Provokationstest. Dabei wird das Allergen genau dahin gebracht, wo sich die Krankheit äußert. Häufig ist dies die Nase. Kommt es dann zu einer allergischen Reaktion, können Sie sicher sein, dass Ihr Arzt das richtige Allergen gefunden hat.

Behandlungsmöglichkeiten von Milbenallergien

Die Behandlung von Milbenallergikern stützt sich auf folgende drei Säulen:

  1. Die Meidung der Allergene (Allergenkarenz), z.B. durch geeignete Sanierungsmaßnahmen im häuslichen Umfeld.
  2. Die medikamentöse Behandlung der allergischen Beschwerden zur kurzzeitigen Behebung der Symptome.
  3. Die spezifische Immuntherapie (auch Hyposensibilisierung oder Allergenimpfung genannt) zur langzeitigen Behebung der Ursache.

Jede Maßnahme für sich ist wirksam. Besonders günstig wirken sich aber die Kombination der drei Vorgehensweisen aus. Lassen Sie sich auch vor der Einnahme  frei verkäuflicher antiallergischer Medikamenten von Ihrem Arzt beraten.

Diese sogenannten symptomatischen Antiallergika lindern die Beschwerden meist schnell und effektiv. Die Ursache Ihrer Allergie – ein überaktives Immunsystem – bleibt aber bestehen. Daher ist es wahrscheinlich, dass die Beschwerden mit dem Absetzten der Medikamente erneut auftreten.

Spezifische Immuntherapie bekämpft die Ursache

Vielleicht wird Ihr Arzt Ihnen auch eine spezifische Immuntherapie verschreiben. Diese wirkt als einzige Behandlungsmethode gezielt an der Entstehung einer Allergie. Mit der spezifischen Immuntherapie kann Einfluss auf die Überempfindlichkeit des Immunsystems genommen werden, welche die Ursache einer Allergie darstellt. Die Behandlung geht über einen Zeitraum von 3-5 Jahren.

Die spezifische Immuntherapie ist damit derzeit die einzige kausale (d.h. ursachenbekämpfende) Therapie bei Hausstaubmilbenallergien. Ihr Arzt spritzt Ihnen dabei in regelmäßigen Abständen eine Lösung mit den krankmachenden Allergenen. Somit werden Sie allmählich gegen die Hausstaubmilbenallergene unempfindlich. Alternativ gibt es auch Tropfenlösungen oder Tabletten, die der Patient zu Hause einnimmt.

Während bzw. nach erfolgreicher Immuntherapie kann meist auf die Einnahme symptomatischer Medikamente verzichtet werden. Im Idealfall können Sie dann sogar ganz abgesetzt werden.

Außerdem kann die spezifische Immuntherapie in vielen Fällen der Entstehung weiterer Allergien vorbeugen und verhindern.
Und sie kann verhindern, dass sich die Beschwerden von der Nase auf die Lunge verlagern, also dass sich aus allergischem Schnupfen Asthma entwickelt.

Wohnraum-Sanierung

Neben Symptom-Bekämpfung und spezifischer Immuntherapie spielt auch die Allergenvermeidung eine wichtige Rolle bei der Hausstaubmilbenallergie. Die Fachwelt nennt dies eine Allergenkarenz. Eine Reihe von Sanierungsmaßnahmen im häuslichen Umfeld kann die Menge an Milbenallergenen deutlich reduzieren. Dadurch bessert sich meist auch schon die Allergie.

Für eine effektive Bekämpfung der Hausstaubmilben müssen einige wichtige Fakten über deren Lebensweise bekannt sein:

  • Sie leben am liebsten bei 25-30 °C und einer Luftfeuchtigkeit von 65-80%
  • Am schnellsten vermehren sie sich daher im Sommer
  • Die Lebensdauer beträgt 60 bis 150 Tage
  • Sie ernähren sich bevorzugt von menschlichen und tierischen Hautschuppen, aber auch von anderen Bestandteilen des Hausstaubs, z. B. Schimmelpilzen
  • Durch Saugfüße halten sie sich an Oberflächen (z. B. Teppichen) fest und sind daher schwer zu entfernen

Nicht nur lebendig stellen Hausstaubmilben eine Belastung für Allergiker dar. Zu Beginn der Heizperiode sterben die kleinen Lebewesen, da sich die Luftfeuchtigkeit reduziert. Dann zerfallen die Milben zu Staub und Partikel bzw. Milbenkot können folglich noch besser eingeatmet werden.

Das alleinige Abtöten der Milben mit sogenannten akariziden (milben- und zeckentötenden) Chemikalien oder Dampfstrahlreinigern führt also nur dann zu einer (vorübergehenden) Senkung der Milbenbelastung der Wohnung, wenn die abgetöteten Milben anschließend durch geeignete Reinigungsmaßnahmen entfernt werden.

Bett

Sanierungsmaßnahmen sollten daher beim Bett beginnen und dann auf das übrige Schlafzimmer und auf die weiteren Räume der Wohnung ausgedehnt werden.

Die besten Lebensbedingungen finden Hausstaubmilben in unseren Betten. Dort ist es schön warm, nächtliches Schwitzen sorgt für milbenfreundliche Luftfeuchtigkeit und die Milben finden hier ihre Lieblingsnahrung, die Hautschuppen, in großen Mengen vor.

Wie stark die Oberflächen von Textilien (z. B. Matratzen, Teppiche, Polster, Gardinen oder Kuscheltiere) durch Milben belastet sind, lässt sich mit einem einfach durchzuführenden Streifen- oder Wischtest feststellen. Das Testergebnis kann als Grundlage für weitere Sanierungsmaßnahmen dienen:

  • Als erste und wichtigste Maßnahme sollte die Matratze und ggf. Bettdecke und Kopfkissen mit milbendichten Überzügen (Encasings) überzogen werden. Diese kommen unter die normale Bettwäsche. Dadurch kann die Zahl der Milben im Bett deutlich reduziert werden. Die Matratze sollte vollständig umhüllt sein. Ein allergendichtes Spannbettlaken allein reicht nicht aus. Achten Sie bei der Anschaffung auf ein hohes Partikelrückhaltevermögen (Porengröße <0,5 μm) und eine hohe Wasserdampfdurchlässigkeit der Überzüge. Die Nähte und Reißverschlüsse sollten verschweißt bzw. abgedeckt sein.
  • Die Kosten für die Überzüge werden bei einer gesicherten Hausstaubmilbenallergie üblicherweise von der Krankenkasse übernommen. Fragen Sie Ihren Arzt danach. Besonders bei Doppelbetten sollte auch das Bett des Partners mit solchen Überzügen ausgestattet werden.

  • Achten Sie bei der Anschaffung von neuen Oberbetten und Kopfkissen darauf, dass diese bei mindestens 60 °C waschbar sind. So lassen sich Milbenallergene vollständig entfernen.

  • Waschen Sie die Bettwäsche, die möglichst aus Baumwolle bestehen sollte, wöchentlich bei mindestens 60 °C.
  • Auch die Anschaffung einer neuen Matratze kann sinnvoll sein. Bitte achten Sie dabei auf folgendes: Meiden Sie Schaumstoffmatratzen. Diese führen die Feuchtigkeit schlecht ab. Exemplare mit Rosshaarfüllung sind ebenfalls nicht geeignet. Hüllen Sie die neue Matratze von Anfang an in den Encasing Schutzbezug.

  • Ein Bettgestell mit Füßen und ohne Bettkasten erlaubt bessere Luftzirkulation und den Abtransport von Feuchtigkeit.

  • Lüften Sie die Betten täglich gut aus

  • Entfernen Sie möglichst Kuscheltiere aus dem Bett. Wenn Kinder nicht auf diese verzichten können, auf Waschbarkeit achten. Durch das Einfrieren von Kuscheltieren und Kopfkissen im Tiefkühlschrank für 1 bis 2 Tage können die Milben zwar abgetötet werden, aber erst durch Waschen werden die Allergene auch daraus entfernt.

Schlafzimmer und übrige Räume

  • Die Schlafzimmertemperatur dauerhaft auf 18-20 °C absenken. Die Luftfeuchtigkeit sollte nach Möglichkeit zwischen 45-55 % betragen. Mehrmals täglich stoßlüften.
  • Durch das Entfernen von Staubfängern entzieht man Milben den Lebensraum. Hierzu gehören (besonders langhaarige) Teppiche, Teppichböden, Felle und Vorhänge.
  • Glatte Böden bieten den Milben keine Rückzugsgebiete, allerdings wird der Staub von Ihnen leichter aufgewirbelt, besonders bei Fußboden- oder Nachtspeicherheizungen. Häufiges feuchtes (Staub-) Wischen beugt dem vor.
  • Staubsaugen: optimal, aber auch teuer, sind fest installierte Saugsysteme, bei denen die Abluft durch Rohre direkt nach außen abgeleitet wird. Staubsauger sollten mit einem HEPA-Partikelfilter ausgestattet sein. Da auch bei guten Feinstaubfiltern ggf. noch Allergenpartikel aufgewirbelt werden können, sollte dieser Teil der Hausarbeit eventuell nicht von dem Allergiker selber durchgeführt werden.
  • Auch durch 2-stündiges Trocknen im Wäschetrockner bei 60-80 °C kann man Milben in Textilien abtöten. Danach ggf. nochmals auswaschen, um die Allergenpartikel zu entfernen.
  • Sitzmöbel mit abwischbaren Bezügen sind gegenüber Polstermöbeln zu bevorzugen.
  • Topfblumen erhöhen die Luftfeuchtigkeit, und die Blumenerde ist ein Reservoir für Schimmelpilze. Zumindest im Schlafzimmer sollte man auf Blumen verzichten.
  • Luftbefeuchter können ebenfalls das Wachstum von Schimmelpilzen und Hausstaubmilben begünstigen. Achten Sie auf feuchte Wände in der Wohnung und entfernen Sie die Ursachen dafür.
  • Auch das Halten von Haustieren kann der Milbenvermehrung Vorschub leisten. Als Milbenallergiker sollte man sie zumindest nicht in das Schlafzimmer lassen.

Weitere Tipps

  • Hausstaubmilben fühlen sich in europäischen Hochgebirgslagen über 1.500 m aufgrund der niedrigen Luftfeuchtigkeit nicht mehr wohl. Vielleicht wäre das mal ein schönes Urlaubsziel für Sie?
  • Fragen Sie nach allergikergerechten Hotelzimmern und Ferienhäusern.
  • Nehmen Sie die milbendichten Bettüberzüge mit in den Urlaub.
  • Vorratsmilben sind die Verwandten der Hausstaubmilben. Sie bevorzugen Schimmelpilze, Lebensmittel- und Tierfuttervorräte (besonders Mehl) als Nahrung. Leider können Sie durch sogenannte allergische Kreuzreaktionen unter Umständen auch bei Hausstaubmilbenallergikern Beschwerden hervorrufen. Heben Sie Ihre Vorräte deshalb möglichst kühl, trocken und dicht verschlossen auf.

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg!