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Ärzte erklären

Hyposensibilisierung unter Einnahme von Betablockern

Die Hyposensibilisierung stellt für Allergiker die einzige Möglichkeit dar, ihre Allergie an der Wurzel zu packen und die Ursache zu behandeln (Kausaltherapie). Bei dieser Therapie wird das Immunsystem nach und nach an die Allergieauslöser gewöhnt, wodurch die Beschwerden mit der Zeit nachlassen.

Angesichts dieser Tatsache erscheint es umso bedauerlicher, dass Allergiker, die blutdrucksenkende Medikamente wie Betablocker erhalten, oftmals nicht für eine Hyposensibilisierung in Betracht gezogen werden.  

 

Warum sind Betablocker ein Problem für die Hyposensibilisierung?

Bei unter Betablocker-Therapie stehenden Patienten sind in der Vergangenheit im Zuge der Hyposensibilisierungsbehandlung mit Allergenen wiederholt schwer verlaufende allergische Reaktionen (Anaphylaxien) aufgetreten. Aus diesem Grund raten auch die allergologischen Fachgesellschaften von einer spezifischen Immuntherapie bei dieser Patientengruppe ab.

Die Ursache hierfür liegt dabei aber gar nicht wie zu vermuten wäre darin, dass die Einnahme von Betablockern das Risiko für eine schwere allergische Reaktion erhöht, sondern vielmehr im potenziell schwierigeren Notfall-Management dieser Patienten.

 

Behandlung von allergischem Schock bei Betablocker-Einnahme schwieriger

Betablocker senken den Blutdruck, indem sie die Wirkung von Adrenalin auf das Herz hemmen. Problematisch hieran ist,

  • dass ein allergischer Schock meist mit einem massiven Blutdruckabfall einhergeht,
  • die Gabe von Adrenalin die Behandlung der Wahl beim allergischen Schock darstellt, da sie den Kreislauf des Patienten stabilisiert,
  • bei Patienten, die Betablocker einnehmen, genau diese Wirkung vermindert ist oder schlimmstenfalls sogar ganz ausbleibt.

 

Kann ich also keine Hyposensibilisierung erhalten, wenn ich Betablocker anwenden muss?

Die Einnahme von Betablockern ist nicht zwingend ein Ausschlusskriterium. Ausschlaggebend sind hier die Angaben in der jeweiligen Fach- oder Gebrauchsinformation es Therapieallergens. Nach einer sorgfältigen Nutzen-Risiko-Abwägung des Arztes kann in vielen Fällen auch Allergikern, die Betablocker einnehmen, mit einer Hyposensibilisierung geholfen werden. Zudem ist zwischen einer subkutanen (unter die Haut des Oberarms) und sublingualen (unter die Zunge) Hyposensibilisierung zu unterscheiden.

Bei der sublingualen Hyposensibilisierung wird mit Ausnahme der ersten Tropfen (oder Tabletteneinnahme) in der Praxis die Behandlung zu Hause durchgeführt. Dies ist nur möglich, da fast nie schwere Nebenwirkungen auftreten.

Schwere allergische Reaktionen, die eine Gabe von Adrenalin nötig machen würden, sind auch bei der subkutanen Immuntherapie sehr selten und bei sorgfältiger Anamnese und Überwachung sehr gut zu beherrschen. Durch die Gabe höherer Dosen Adrenalin kann dem Effekt des Betablockers beispielsweise entgegengesteuert werden.

 

Was ist zu beachten?

Bei einem Patienten, der gleichzeitig Betablocker einnimmt, sollte in der Praxis zwingend entsprechend geschultes Personal sowie die notwendige Notfallausrüstung zur Verfügung stehen. Ist dies nicht der Fall, sollte keine Hyposensibilisierung durchgeführt werden.

 

Patient selbst kann unterstützen

Sie selbst können ebenfalls mithelfen, schwere allergische Reaktionen möglichst früh zu erkennen. Wenn Sie nach der Behandlung mit einer Allergielösung eines der folgenden Symptome bei sich feststellen, sollten Sie dem Personal sofort Bescheid geben:

  • Brennen, Jucken oder Hitzegefühl auf und unter der Zunge, im Rachen und an den Handinnenflächen und Fußsohlen
  • Husten
  • Heiserkeit
  • pfeifende Atmung
  • Atemnot
  • Schwindel
  • Übelkeit

Da diese Reaktionen zumeist innerhalb von wenigen Minuten beginnen, sollten Sie die 30-minütige Nachbeobachtungszeit in der Praxis nach einer Spritze auf jeden Fall einhalten und befolgen.

 

Arzt wird verantwortungsvolle Entscheidung treffen

Abschließend ist anzumerken, dass die Entscheidung über die geeignete Therapie und deren Beginn letztendlich jedoch der Arzt fällt. Über eine sorgfältige Betrachtung Ihrer individuellen Krankheitsgeschichte wird der Arzt feststellen, ob der Nutzen einer Hyposensibilisierung die Risiken überwiegt.

 

Gegebenenfalls Alternativen zu Betablocker in Erwägung ziehen

Da es Alternativen zum Betablocker gibt, können Sie mit Ihrem Hausarzt, Internisten oder Kardiologen auch besprechen, ob dieser Sie auf andere blutdrucksenkende Medikament umstellt, die keine Kontraindikation für die Hyposensibilisierung darstellen.

Alternativen wären z. B.:

  • Eventuell ACE-Hemmer (Gebrauchsinformation des Therapieallergens prüfen)
  • Kalziumantagonisten
  • AT1-Rezeptorantagonisten

Eine weitere Option könnte sein, dass Sie am Tag der subkutanen Hyposensibilisierung den Betablocker weglassen und wenn Sie die Hyposensibilisierung gut vertragen haben, am nächsten Tag mit der Einnahme fortfahren.  

 

Dr. med. Andreas Meyer (Facharzt Schlafmedizin für Erwachsene und Kinder I Allergologie I Stimm- und Sprachdiagnostik I HNO-Chirurgie)

Kirchenstraße 5, 97222 Rimpar
Tel.: 09365 882450
https://www.schlafmedizin-meyer.de/