Erklärt - Kurz & prägnant

Hundehaarallergie: Gibt es außer der Trennung vom Haustier noch andere Optionen?

04/20/2018
Dr. med. Claus Keller

Hunde sind die am längsten gehaltenen Tiere in der menschlichen Geschichte. Nach Schätzungen  halten in den USA  ca. 40 Prozent der Haushalte einen Hund. Jedoch können bei bis zu 20 Prozent der Bevölkerung in den industrialisierten Ländern Antikörper gegen Hundehaare nachgewiesen werden.

Kontakt mit Hunden vermeiden

Der Kontakt mit Hunde-Allergenen ist eine wichtige Ursache für Asthma. Allergologen empfehlen Hundehaarallergikern daher, den Kontakt zu Hunden zu vermeiden. Dies sollte der erste und wichtigste Schritt der Behandlung sein. Es ist aber absolut verständlich, wenn Ihnen diese Vorgehensweise schwerfällt. Schließlich besteht ein meist enger Kontakt zu dem Haustier.

Die Beschwerden einer Hundehaar-Allergie beschränken sich nicht nur auf Augen und Nase. Auch Ihre Lunge kann betroffen sein. Deswegen ist eine individuelle Beratung und Entscheidung notwendig. Wenn Sie bereits an Asthma bronchiale leiden, muss dieses mit entsprechenden Medikamenten behandelt werden.

Allergie-Medikamente lindern die Symptome

Sie können allergische Beschwerden durch bestimmte Medikamente (z. B. Antihistaminika oder kortisonhaltige Nasensprays) lindern. Wenn Sie Ihren Hund behalten, bleibt die Ursache für die Allergie aber bestehen. Dies kann zur Entstehung oder Verschlimmerung von Asthma führen.

Bei einem schweren Krankheitsverlauf bleibt dann im Zweifelsfall nur die Trennung vom Hund. Auch berufsbedingt können Sie mit Hundehaaren in Kontakt kommen, ohne dass Sie selber einen Hund haben.

Bedeutung für Patienten

Nicht jeder betroffene Allergiker reagiert auf die verschiedenen Hunderassen gleich stark. So kann es vorkommen, dass der Kontakt zu einem Hund fast keine und zu einem anderen starke allergische Beschwerden auslöst. Der Grund hierfür ist nach wie vor unbekannt. Die sicherste Methode zur Linderung bzw. Heilung ist, den Kontakt zu Hunden zu meiden.

Spezielle Züchtungen wenig erfolgsversprechend

Weil dies verständlicherweise vielen Menschen schwerfällt, gibt es seit längerem Versuche, Hunderassen mit weniger Allergenen im Fell zu züchten. Diese werden als „hypoallergene Hunde“ bezeichnet. Ein Beispiel ist der Labradoodle. Untersuchungen zeigen aber, dass es aktuell trotzdem keinen Hund gibt, der mit Sicherheit keine Allergie auslösen kann.

Helfen Ihnen Vermeidungsmaßnahmen nicht ausreichend oder sind diese durch Ihre berufliche Situation nicht möglich, kann im Einzelfall eine spezifische Immuntherapie (SIT) helfen. Die Wirksamkeit bei einer Hundehaar-Allergie ist durch wenige Studien belegt.

Immuntherapie gemeinsam mit dem Arzt planen

Die SIT kann in Form von Spritzen unter die Haut oder in Tropfenform unter der Zunge durchgeführt werden. Eine rassespezifische Immuntherapie ist aber nicht möglich. Welche Behandlung für Sie in Frage kommt, wird Ihr Arzt mit Ihnen besprechen.

Beide Behandlungsformen dauern ca. drei Jahre, wobei Sie die Spritzen in der Praxis bekommen. Bleiben Sie danach noch 30 Minuten in der Praxis. Mögliche Unverträglichkeits-Reaktionen können dann vor Ort behandelt werden. Die Tropfen für unter die Zunge können Sie dagegen zu Hause anwenden.

Am Tag der Hundeallergenspritze den Kontakt reduzieren

Am Tag der Spritze sollten Sie den Kontakt zum Hund meiden. Die SIT in Spritzenform sieht eine Steigerungs- und eine Fortsetzungsphase vor. In der Steigerungsphase erhalten Sie wöchentliche Spritzen. Nach Erreichen der Höchstdosis oder Ihrer persönlichen Verträglichkeitsschwelle werden die Abstände meist auf vier bis sechs Wochen verlängert.

Somit ist der Kontakt zum Hund nur an wenigen Tagen eingeschränkt. Auf jeden Fall müssen Sie am Tag der Injektion darauf achten, dass Sie keine asthmatischen Beschwerden haben. Dies gilt auch für die Behandlung in Tropfenform. Ob regelmäßiges Waschen des Hundes die Allergie mindert, ist noch nicht hinreichend untersucht.

 

Dr. med. Claus Walter Keller (Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie und Allergologie)
Usinger Straße 5, 60389 Frankfurt am Main
E-Mail: info@praxis-ckeller.de
http://www.praxis-ckeller.de/

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