Erklärt - Kurz & prägnant

Histamin-Intoleranz: Um was geht es dabei?

05/03/2018
Dr. med. M. Stockmeier

Eine echte Nahrungsmittel-Allergie ist seltener, als dies zunächst angenommen wurde. Tritt eine solche Allergie auf, kann Ihr Arzt spezifische Antikörper (Immunglobulin E) nachweisen. Sie leiden dann nach dem Verzehr kleinster Mengen von z. B. Erdnüssen oder Fisch möglicherweise unter schweren, bis hin zu lebensbedrohlichen Reaktionen.

Aktuellen Untersuchungen zur Folge leiden nur 3,7 Prozent der Erwachsenen und 4,2 Prozent der Kinder unter einer echten Nahrungsmittel-Allergie mit nachweisbaren Antiköpern vom IgE-Typ. Die Begriffe „Intoleranz“ und „Unverträglichkeit“ werden oft synonym verwendet. Es hat sich etabliert, den Begriff Nahrungsmittel-Unverträglichkeit als Überbegriff zu verwenden.

Unverträglichkeit ist keine Allergie

Wenn Sie an einer Nahrungsmittel-Unverträglichkeit leiden, findet Ihr Arzt in Ihrem Blut keine Antikörper. Dennoch fühlen Sie sich eindeutig krank. Ärzte unterscheiden drei Unverträglichkeits-Reaktionen, mit teilweise unterschiedlichen Symptomen:

  1. Laktose-Intoleranz (Milchzucker-Intoleranz)
  2. Fruktose-Intoleranz (Fruchtzucker-Intoleranz)
  3. Histamin-Intoleranz

Unterschiede zwischen Nahrungsmittel-Allergie und –Intoleranz
 

Nahrungsmittel-Allergie Histamin-Intoleranz
Sehr rasche Entwicklung der Beschwerden (Minuten) nach Verzehr des Allergens Beginn der Symptome sehr unterschiedlich, oft Allergie-ähnliche Symptome
Meist reichen kleinste Mengen eines Allergens aus, um Symptome auszulösen Beschwerden abhängig von der individuellen Dosis
Nach Verzehr des Lebensmittels können lebensbedrohliche Reaktionen auftreten Histamin-Unverträglichkeit kann mit schweren Reaktionen einhergehen

Diagnosemöglichkeit: Nachweis von Immunglobulin E (IgE-Antikörpern) im Blut oder Hauttestung. Ggf. zusätzlich ein Provokationstest zur Bestätigung.

Diagnose: erfolgt nach Symptomen, aussagekräftige Laborwerte stehen derzeit nicht oder nur bedingt zur Verfügung. Die Messung des Enzyms

Diaminoxidase (DAO) im Blut und die Bestimmung des Methyl-Histamins im Urin sind wissenschaftlich umstritten

Histamin wird von unserem Körper selber hergestellt. Es wird in bestimmten Zellen wie z. B. den Mastzellen gespeichert. Mastzellen gehören zu den Zellen unserer körpereigenen Abwehr. Sie kommen verteilt im ganzen Körper vor. Das aus den Mastzellen freigesetzte Histamin spielt bei allergischen Reaktionen eine wichtige Rolle.

Bedeutung der Histamin-Intoleranz für Patienten

Die Histamin-Intoleranz kommt vermutlich bei ca. ein bis drei Prozent der Bevölkerung in Deutschland vor.

Betroffene Nahrungsmittel

Histamin findet sich in vielen Lebensmitteln, insbesondere gereiften Nahrungsmitteln und Fertiggerichten. Ob eine Unverträglichkeits-Reaktion auftritt oder nicht, hängt von der Menge des (mit der Nahrung) aufgenommenen Histamins ab. Übrigens enthalten alkoholische Getränke teilweise große Mengen an Histamin.

Ursache

Ursache ist ein Enzymmangel oder Enzymdefekt. Das mit der Nahrung aufgenommene Histamin kann nicht oder nicht ausreichend schnell abgebaut werden.

Betroffenes Enzym

Das betroffene Enzym heißt Diaminoxidase (DAO). Es ist zu wenig oder nicht vorhanden; ebenso wie das Enzym Histamin-N-Methyltransferase.

Symptome

Die Symptome sind vielfältig und uneinheitlich; viele Ihrer Organsysteme können beteiligt sein. So berichten Patienten von:

  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Übelkeit
  • Asthma
  • Kopfschmerzen (Migräne)
  • Juckreiz an Haut und Schleimhäuten
  • Blutdruck-Abfall bis hin zum anaphylaktischen Schock

 Allerdings reagiert jeder Patient anders. Verschiedene begleitende Faktoren können eine Rolle spielen, so vor allem:

  • Vorerkrankungen
  • Medikamenten-Einnahme (v. a. Schmerzmittel)
  • Hormone
  • Alkohol-Genuss zum Essen
  • etc.

Histamin-Intoleranz: Linderung durch Diät

Ihnen steht derzeit nur eine Möglichkeit der Behandlung zur Verfügung. Dabei handelt es sich um eine Diät, in deren Rahmen Sie Lebensmittel mit hohem Histamin-Gehalt meiden sollten. Führen Sie die Ernährungs-Umstellung schrittweise durch. Experten empfehlen folgendes dreistufiges Vorgehen:

  1. Vermeidungs-Phase (Karenz): Vermeiden Sie für ca. zwei Wochen konsequent alle Lebensmittel mit hohem Histamin-Gehalt.
  2. Testphase: Probieren sie über bis zu sechs Wochen langsam eine sanfte Steigerung von Lebensmitteln, die Histamin enthalten.
  3. Histamin-arme Dauerernährung: Stellen Sie sicher, dass Sie sich ausgewogen ernähren. Dauerhaft einseitige Diäten sind nicht anzuraten und sollten ohne Beratung durch einen darauf spezialisierten Arzt oder Begleitung durch eine Ernährungsberaterin nicht erfolgen.

Wo finden Sie Informationen zum Histamin-Gehalt in Lebensmitteln?

Übersichtstabellen zum Histamin-Gehalt in verschiedenen Getränken und Nahrungsmitteln finden Sie im Internet und Fachbüchern.

Welche medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Sie können in Absprache mit Ihrem Arzt die Anwendung spezieller Medikamente (Antihistaminika) versuchen. Eine weitere Möglichkeit ist eine Enzymersatz-Therapie in Form von Nahrungsergänzungs-Mitteln. Derzeit gibt es keine wissenschaftlich nachgewiesene Therapieform.

Notfall-Set bei lebensbedrohlichen Reaktionen

Der Histamin-Gehalt von Lebensmitteln unterliegt – auch bei gleicher Sortenwahl – je nach Reifegrad, Lagerdauer oder Herstellungsprozessen starken Schwankungen. Wenn Sie bereits einmal eine sehr starke oder gar lebensbedrohliche Reaktion durchgemacht haben, sollten Sie sich ein Notfall-Set verschreiben lassen. Ihr Arzt wird Ihnen den Gebrauch eingehend erläutern.

 

Dr. med. Markus Stockmeier (Facharzt für Dermatologie, Ästhetik und Lasermedizin)
Donaustraße 8, 85049 Ingoldstadt
Hier geht es zum Kontaktformular der Hautarztpraxis Dr. Stockmeier
http://www.hautarzt-stockmeier.de/index.php

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