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Gräserpollen-Allergie: Bedeutung und Behandlungsmöglichkeiten

06/26/2018
Dr. med. Peter Gerhards

Gräserpollen sind weltweit vermutlich die häufigste Ursache für saisonale Allergien. Die verschiedensten Grasarten sind sowohl in Städten als auch auf dem Land verbreitet. Sie sind an Straßenrändern, in Gärten, auf Wiesen und Weiden zu finden.

Die in unserer Klimazone vorkommenden Gräser sind nah miteinander verwandt. Zu dieser Unterfamilie zählen unter anderem die Getreidesorten Roggen, Weizen und Hafer. Die Gräserpollen werden mit dem Wind verbreitet und sind die häufigsten Auslöser von sommerlichen Beschwerden an Augen, Nase und Lunge. Man spricht auch vom „Heuschnupfen“.

Mehrmonatige Beschwerdephasen

Die Gräser und Getreide produzieren ihre Pollen von Mai bis September, sodass Allergiker eine mehrmonatige Beschwerdephase durchstehen müssen. Pollenflug-Vorhersagen im Internet geben Ihnen genaue Angaben zur Pollenbelastung in Ihrer Region.

Da die Pollenverbreitung durch Wind und Luft erfolgt, produzieren Gräser- und Getreidepflanzen massenhaft Pollen. Zum Beispiel produziert eine einzelne Roggenähre bis zu vier Millionen Pollen jährlich. So wird sichergestellt, dass wenigstens ein kleiner Teil seinen Bestimmungsort erreicht.

Roggen besonders aggressiv

Unter den Gräserpollen gelten die von Roggen-Ähren als „aggressivste“ Form. In Europa und Deutschland gehören diese Pollen zu den häufigsten Auslösern von Heuschnupfen. Insgesamt begegnen Ihnen aber sehr viel mehr Gräser- als Roggenpollen, wie die Auszählungen von Experten ergeben haben.

Diagnostik zum Nachweis einer Gräserpollen-Allergie

Ihr Arzt (Allergologe) wird mit Ihnen anhand Ihrer Beschwerden und Krankengeschichte besprechen, welche Tests für Sie geeignet sind. Dabei wird auch diskutiert, auf welche Substanzen hin Sie untersucht werden. Anschließend können verschiedene Tests an der Haut oder mittels einer Blutuntersuchung durchgeführt werden.

Bedeutung für Patienten

Sie können den Kontakt zu Gräser- und Getreidepollen im Sommer nicht vermeiden oder sich im Freien davor schützen. Oft reichen schon kleine Mengen Pollen aus (zum Beispiel 15 Roggenpollen, 50 Gräserpollen), um allergische Beschwerden auszulösen.

Sobald die Pollen auf die Schleimhäute von Nase und Augen treffen, werden die sogenannten Allergene (die Beschwerden-auslösenden Stoffe) freigesetzt. Die Symptome können Sie als laufende und juckende Nase sowie Rötung und Juckreiz der Augen verspüren. Im Extremfall kann sich sogar Asthma entwickeln.

Begriff Heuschnupfend ist irreführend

Die Bezeichnung Heuschnupfen ist irreführend. Die Beschwerden sind viel stärker als bei einem gewöhnlichen Schnupfen. Auch dauern diese viel länger an. Planen Sie Ihren Sommer-Urlaub idealerweise so, dass Sie in Pollen-arme Regionen reisen. Die Küsten sind hierfür beispielsweise gut geeignet.

Leiden Sie in der Pollen-Saison unter Beschwerden und bestätigt sich beim Arzt der Verdacht auf einen Heuschnupfen, stellt sich die Frage nach einer ).spezifischen Immuntherapie (SIT). Ihr Arzt kann Sie diesbezüglich beraten.

Spezifische Immuntherapie (SIT)

Die SIT ist bisher die einzige Therapieform, die die Ursache einer Allergie behandelt und nicht nur die Symptome. Sie sollte über einen Zeitraum von drei Jahren durchgeführt werden. Zwei Behandlungsmöglichkeiten haben sich bewährt:

  1. Die subkutane SIT: Hierbei erhalten Sie regelmäßig Spritzen in der Praxis. Zu Beginn erfolgt dies häufig wöchentlich. Später – nach Erreichen der Höchstdosis – werden die Intervalle zwischen zwei Spritzen erhöht. Die Höchstdosis wird dann meist nur noch einmal im Monat verabreicht.
  2. Die sublinguale SIT: Sie nehmen die Medikamente zu Hause in Form von Tabletten oder Tropfen ein. Sublingual bedeutet dabei, dass Sie diese unter die Zunge geben. Dies muss täglich erfolgen.

Die Dauer von rund drei Jahren gilt für beide Therapie-Formen.

Behandlung rechtzeitig starten

Damit Sie bereits im ersten Behandlungs-Jahr eine Linderung verspüren, sollten Sie die Therapie etwa drei bis vier Monate vor dem Beginn des Pollenflugs starten. Ihr Arzt kann Sie hierzu umfassend beraten.

Dr. med. Peter Gerhards (Facharzt für Kinderheilkunde und Jugendmedizin)
Rathausplatz 13-15, 41844 Wegberg
Mail: docgerhards@aol.com
http://www.doc-gerhards.de/

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