Wissenswertes: Zu saisonalen Allergien

Was sind saisonale Allergien?

Die Jahreszeiten mit der größten Belastung für Pollenallergiker sind Frühjahr und Sommer. Papiertaschentücher, Kopfschmerzen und Atemnot sind für immer mehr Bundesbürger der Einstieg in den Frühling. Die Ursache sind staubförmige Teilchen (Pollen), die von Pflanzen und Pilzen in der freien Natur an die Luft abgegeben werden und sich darin schwebend verteilen.

Hierauf reagiert das Immunsystem mancher Menschen mit einer extremen Überempfindlichkeit. Das geschieht, wenn diese Pollen eingeatmet werden oder auf die Bindehaut der Augen gelangen. Neben Pollen oder Blütenstaub können z. B. auch Schimmelpilze Allergien auslösen.

Frühjahr und Sommer besonders belastend

Das Auftreten ist allerdings jahreszeitlich begrenzt. Große Mengen von Hasel- oder Erlenpollen finden sich z.B. von Februar bis März in der Luft. Diese Zeitspanne bezeichnet man als Pollenflugsaison. Allergene, die nur zeitlich befristet allergische Beschwerden auslösen, nennt man deshalb saisonale Allergene, die dadurch ausgelösten Krankheiten saisonale Allergien.

Je nach Blütezeit und Sporenbildung von Pflanzen und Pilzen können die Beschwerden zu verschiedenen Jahreszeiten auftreten. Die größte Belastung besteht im Frühjahr und Sommer. Schimmelpilzallergiker leiden vor allem im Spätsommer. Es gibt aber auch eine ganzjährige Schimmelpilzallergie.

Die Blütezeiten der meisten Pflanzen sind bereits seit Jahrtausenden bekannt. Erst genaue Messung des Pollens- und Sporenaufkommens führten aber zur Erstellung genauer Pollenflugkalender. Solche Analysen werden an verschiedenen Standorten in Deutschland, aber auch anderen Ländern Europas durchgeführt. Diese Kalender verraten Ihnen, wann sie mit Beschwerden rechnen müssen.

Was weiß man eigentlich über saisonale Allergene?

Beginnen wir mit den Pollen. Wie die Samen bei Mensch und Tier sind sie die Befruchtungszellen der Pflanzen. Irgendwie müssen Sie zu den weiblichen Blüten gelangen. Bei vielen Pflanzen sind dabei Insekten wie Bienen und Schmetterlinge behilflich. Pollen von insektenbestäubten Pflanzen sind ziemlich schwer und außerdem klebrig. Sie sind für eine Verbreitung durch den Wind nicht geeignet.

Da sie sehr gut an den Beinen von Biene und Schmetterlingen haften, übertragen diese Insekten Blütenstaub, indem sie von Blüte zu Blüte fliegen. Pflanzen mit üppigen Blüten (Tulpen, Vergissmeinicht, Flieder und Jasmin) verursachen jedoch nur selten Allergien, außer bei Gärtnern. Wenn Sie Ihre Nase da nicht hineinstecken, bleiben Ihnen unerfreuliche Beschwerden erspart!

Bäume und Kräuter kritisch

Kritischer sind windbestäubte Pflanzen wie Bäume, Kräuter und Gräser. Ihre Pollen sind sehr leicht und trocken. Deswegen fliegen sie ausgezeichnet im Wind. Diese Art der Verbreitung ist weniger gezielt und damit unsicher. Aus diesem Grund erzeugen windbestäubte Pflanzen riesigen Mengen an Pollen. Diese fliegen Tausende Meter hoch und Hunderte von Kilometern weit und erreichen auch die Großstadt.

Die größte Belastung für Allergiker geht also von den ‚fliegenden‘ Allergenen aus. Das beginnt im Frühjahr mit Hasel und Erle. Im April und Mai sind es vor allem Birke, Eiche, Buche und Esche, die die Atemwege mit Pollen füllen. Pollen von Roggen und anderen Getreiden beginnen im Juni zu fliegen. Das gilt auch für die meisten Süßgräser auf Wiesen und Weiden.

Im Juli und August werden die Pollen von Kräutern wie Beifuß und Wegerich vom Winde verweht. In manchen Regionen kommen im Herbst auch die Pollen von Ambrosia/Ragweed vor. Die Pflanze hat starke Ähnlichkeit mit Beifuß:

Etwa zur gleichen Zeit finden sich auch die Sporen der Schimmelpilze (Alternaria und Cladosporium) in der Luft, welche bis in den Herbst vorkommen können. Entweder leben sie auf Pflanzen und ernähren sich von anderen Pflanzen. Oder sie bauen das nach der Ernte auf den Feldern und in den Gärten zurückbleibende Pflanzenmaterial ab. Sie benötigen eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit, um ihre Sporen zu bilden. Besonders an feuchten Spätsommerabenden müssen Sie daher mit großen Sporenmengen in der Luft.

   
   

Wieso haben Pollenallergiker manchmal Nahrungsmittelallergien?

Nicht die Pollen oder Sporen selber verursachen die Allergie. Es sind vielmehr die darin enthaltenen Eiweiße (Proteine). Krank machen diese aber erst, wenn sie aus den Pollen und Sporen (als Allergenträger bezeichnet) herausgewaschen werden. Erst dann haben sie eine Wirkung auf das Immunsystem.

Dies geschieht, nachdem die Allergenträger die feuchten Schleimhäute z. B. von Nase und Bronchien erreicht haben. Sie können sich die Pollen und Sporen wie ein Teesieb vorstellen. Aus diesem werden die krankmachenden Eiweiße durch den feuchten Schleim herausgewaschen. Haben sie die Schleimhaut überwunden, beginnt die allergische Reaktion mit Schnupfen, Husten, Atemnot, etc.

Haselpollenallergiker reagieren häufig auch auf Birkenpollen, weil Hasel- und Birkenpollen zum großen Teil ähnliche Eiweißstoffe beinhalten. Eine solche Ähnlichkeit besteht auch zwischen den Eiweißen von Pflanzen und bestimmten Nahrungsmitteln. Daher reagiert ein Baumpollenallergiker eventuell auch allergisch beim Verzehr von Nüssen und Äpfeln (z.B. geschwollene Lippen).

Dieser Zustand wird als Kreuzreaktion bezeichnet, über den heute viel mehr bekannt ist als früher. Es gibt mittlerweile die Möglichkeit, die allergieauslösenden Eiweiße zu isolieren und im Labor miteinander zu vergleichen. Hierdurch ließen sich in der Vergangenheit verschiedene Pflanzen und Nahrungsmittel zu sogenannten Allergengemeinschaften zusammenfassen.

Allergeneigenschaften

 

 

 

 

 

Was ist zu tun, wenn Verdacht auf eine Pollenallergie besteht?

Glücklicherweise reagieren Pollenallergiker nicht auf jede Pollenart mit Beschwerden. Um herauszufinden, welche Pollenart die Beschwerden auslöst, sollten Sie als Betroffener einen erfahrenen Allergologen aufsuchen. Dieser Arzt wird Sie eingehend untersuchen und einen vorbereiteten Fragebogen zur Krankheitsvorgeschichte ausfüllen lassen. Danach müssen einige Tests durchgeführt werden, um die krankmachenden Allergene zu identifizieren.

  • Beim gebräuchlichsten Hauttest, dem sogenannten Pricktest, wird eine geringe Menge des in Frage kommenden Allergens auf die Haut der Unterarminnenseiten getropft und durch kleine Stiche mit einer speziellen Nadel in die Haut gebracht (Pricktest). Wenn gegen das verwendete Allergen eine Sensibilisierung besteht, erscheint nach kurzer Zeit an der Teststelle eine Quaddel, die von einer Rötung umgeben ist. Sie ist meist mit Juckreiz verbunden.
  • Ist ein Hauttest nicht möglich oder nicht aussagekräftig, nimmt Ihnen der Arzt Blut ab. Hier lassen sich Antikörper nachweisen, die Ihr Körper direkt gegen das krankmachende Allergen gebildet hat.

  • Beim Provokationstest wird eine kleine Menge des verdächtigen Allergens unmittelbar an die Stelle gebracht, wo sich die Krankheit zeigt. Bei Patienten mit einem Fließschnupfen z.B. wird es auf die Nasenschleimhaut geträufelt oder gesprüht. Wenn danach die erwartete Reaktion eintritt, kann der Arzt sicher sein, dass er das krankmachende Allergen gefunden hat.

Anhand dieser Tests und Ihrer Krankheitsvorgeschichte bespricht Ihr Arzt mit Ihnen, ob eine spezifische Immuntherapie (früher = Hyposensibilisierung) eingeleitet wird. In diesem Fall erhalten Sie regelmäßig Spritzen mit dem Allergen.

Ziel dieser Behandlung ist, dass Ihr Immunsystem mit der Zeit unempfindlich gegen das Allergen wird. Eine Alternative zu den Spritzen sind Tropfen oder Tabletten, die Sie täglich zu Hause einnehmen müssen.

Was können Sie als Pollenallergiker tun, um die Therapie zu unterstützen

  • In den Mittags- und Nachmittagsstunden befinden sich die meisten Pollen und Sporen in der Luft. Zu diesem Zeitpunkt sollten Sie daher die Fenster geschlossen halten; verzichten Sie besser auf Spaziergänge. Dasselbe gilt für Tage, an denen es sehr windig ist.
  • Häufiges Säubern aller Möbel und des Fußbodens kann dazu beitragen, die Pollenkonzentration in der Wohnung möglichst gering zu halten. Dabei ist es empfehlenswert, eine Atemmaske zu tragen.
  • Tägliches Haarewaschen und das Ablegen der Kleidung ausserhalb des Schlafzimmers reduziert die Pollenbelastung im Schlafbereich. Während des Regens und unmittelbar danach ist die Luft relativ frei von Pollen. Dies ist die ideale Zeit für Spaziergänge.
  • Gartenarbeiten, insbesondere das Rasenmähen sowie alle anstrengenden Tätigkeiten im Freien (Sport) sollten Sie während der Pollenflugsaison oder des Sporenfluges vermeiden oder auf die frühen Morgenstunden verlegen.
  • Bei der Urlaubsplanung sollten Sie nach Möglichkeit versuchen, Gebiete mit geringem Pollen- oder Sporenflug auszuwählen (Meer, Gebirge über 1.500 m). Allergiker mit einer Eschenpollen-Allergie sollten Mittelmeerländer meiden. Hier fliegen nämlich häufig Olivenpollen, die ähnliche Allergene enthalten wie Eschenpollen.

Hier gelangen Sie zu unserem Pollenflugkalender!