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Ärzte erklären-Artikel

COVID-19 Impfungen bei Allergikern

Das Coronavirus SARS-CoV-2 bestimmt seit mehr als einem Jahr unser aller Leben. Die seit Dezember 2020 zur Verfügung stehenden Schutzimpfungen geben neuen Mut, dass die Pandemie erfolgreich bekämpft werden kann. Aber es gibt auch Grund zur Verunsicherung. In den Medien ist immer wieder von Fällen die Rede, bei denen es nach der COVID-19 Impfung zu schweren allergischen Reaktionen (Anaphylaxien) kam.

Zudem wurde zuletzt von weiteren unerwünschten Nebenwirkungen wie seltenen Hirnvenenthrombosen berichtet. Dies führte zu Verunsicherungen bei Allergikern und deren behandelnden Ärzten.

Nach bisherigen Erkenntnissen und Expertenmeinungen stellen Anaphylaxien nach Insektenstichen oder dem Verzehr von Nahrungsmitteln keine Gegenanzeige zur Impfung gegen COVID-19 dar. Absolute Gegenanzeigen für Corona-Impfungen dürften auch bei allergischen Patienten sehr selten sein.

 

Was ist eigentlich eine Anaphylaxie?

Die Anaphylaxie, die in einen anaphylaktischen Schock münden kann, stellt eine schwere allergische Sofortreaktion des Körpers dar, die zumeist unmittelbar nach Kontakt mit dem entsprechenden Allergen auftritt.

Gekennzeichnet ist sie durch eine überschießende Reaktion des Immunsystems, bei der es u. a.  zu folgenden Erscheinungen kommen kann:

  • Blutdruckabfall durch Weitstellung der Gefäße
  • Atemnot durch Engstellung der Bronchien

Diese Umstände resultieren in einer Unterversorgunglebenswichtiger Organe mit Nährstoffen und Sauerstoff, was für den Patienten Lebensgefahr bedeutet.

 

Habe ich als Allergiker ein erhöhtes Risiko für eine schwere allergische Reaktion in Folge einer COVID-Impfung?

Allergiker, die z. B. auf Gräserpollen, Hausstaubmilben oder Nahrungsmittel reagieren, haben per se kein höheres Risiko für das Auftreten einer schweren allergischen Reaktion nach der COVID-19 Impfung. Sie können zumeist problemlos geimpft werden.

 

Allergieauslöser eher in den Impfstoffen selbst

Auslöser von allergischen Reaktionen beim Impfen sind dabei die in den Impfstoffen enthaltenen Inhalts- und Hilfsstoffe. Diese werden dem Impfstoff zugesetzt, um eine ausreichende Immunantwort des Körpers zu bewirken. Erst dies bewirkt schlussendlich den Schutz des Geimpften.

Auch für bislang schon bekannte Impfstoffe wie beispielsweise die Grippeimpfung, besteht ein gewisses Risiko für das Auftreten einer schweren allergischen Reaktion. Diese allergischen Reaktionen sind jedoch sehr selten. Für diese Impfstoffe liegt die Häufigkeit für das Auftreten einer solchen Reaktion bei etwa 1 pro 1.000.000 Injektionen.

 

Zugelassene COVID-19-Impfstoffe sind sicher

Für die bisher in Deutschland zugelassenen und auf dem Markt befindlichen COVID-19 Impfstoffe ist die Wahrscheinlichkeit einer schweren allergischen Reaktion ebenfalls sehr gering. Die bisher gemeldeten und berechneten Angaben liegen zwischen 30/100.000 und 1/1.000.000 Impfungen.

Eine impfstoffspezifische Bewertung sollte hier vorgenommen werden und ist gegenüber dem Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs bei einer COVID-19 Infektion und Erkrankung immer noch als gering anzusehen. Eine COVID-19 Impfung ist aus diesem Grund auch für den Großteil der Allergiker unbedenklich und empfehlenswert.

 

Wann sollte nicht geimpft werden?

Vorsicht ist geboten, wenn in der Vergangenheit bereits schwere allergische Reaktionen im Anschluss an eine andere Impfung oder nach der Einnahme von Medikamenten aufgetreten sind. Wenn dies in der Vergangenheit bei Ihnen der Fall war, sollten Sie dies vor der COVID-19 Impfung dem behandelnden Arzt auf jeden Fall mitteilen und Ihren Allergiepass zum Impftermin mitbringen.

Der Arzt wird dann entscheiden, ob trotzdem eine COVID-19 Impfung erfolgen, oder der Wechsel auf einen anderen COVID-19 Impfstoff ggf. eine Alternative darstellen kann.

Sind früher bereits schwere allergische Reaktionen auf einen oder mehrere Inhaltsstoffe des COVID-19-Impfpräparates aufgetreten, sollte vorab gegebenenfalls getestet werden, ob Unverträglichkeiten gegen den Impfstoff vorliegen, der nun verabreicht werden soll. Liegt eine Unverträglichkeit vor, sollte keine COVID-19 Impfung durchgeführt werden.

 

Was passiert, wenn doch eine Anaphylaxie nach der COVID-19 Impfung auftritt?

Sollte es trotz gründlicher Anamnese in Einzelfällen zur Anaphylaxie kommen, steht den Ärzten und Impfzentren eine Notfallausrüstung zur Verfügung, um im Notfall medizinisch einzugreifen. Als Gegenmaßnahme wird zumeist Adrenalin verabreicht. Dies sorgt dafür, dass die Organe wieder mit ausreichend Blut versorgt werden und der Kreislauf stabilisiert wird.

Bei den meisten Patienten (> 70 Prozent) treten die Symptome innerhalb von 15 Minuten auf, bei ca. 14 Prozent innerhalb von 15 bis 30 Minuten. Durch eine ausreichend lange Überwachung (rund 30 Minuten) kann bei 90 Prozent der Patienten eine allergische Reaktion rechtzeitig erfasst werden.

Diese dreißigminütige Wartezeit wird übrigens auch nach jeder Injektion bei der subkutanen Hyposensibilisierung empfohlen.

 

Kann ich mich trotz laufender Hyposensibilisierung gegen COVID-19 impfen lassen?

Die COVID-19 Impfung können auch Patienten bedenkenlos durchführen, die sich derzeit einer Hyposensibilisierung unterziehen. Dabei sollte aber auf die vorgegebenen zeitlichen Abstände zwischen COVID-19 Impfung und Fortsetzungsbehandlung bei der Hyposensibilisierung geachtet werden.

Zwischen der Verabreichung der Allergiespritze und einer COVID-19 Impfung sollte, wie bei anderen Impfungen auch, ein zeitlicher Abstand von mindestens einer Woche vor und zwei Wochen nach der COVID-19 Impfung liegen. Dies ist in der Fortsetzungsbehandlung der Hyposensibilisierung mit vier- bis sechswöchigen Intervallen meist problemlos möglich.

Bei der Einnahme von Tropfen, sollte mindestens ein Tag vor und zwei bis sieben Tage nach der COVID-19-Impfung pausiert werden. Sollten Nebenwirkungen durch die COVID-19 Impfung aufgetreten sein, sollten diese wieder vollständig abgeklungen sein, bevor die Hyposensibilisierungsbehandlung fortgesetzt wird.

 

Dr. med. Arno Keller (Facharzt für HNO-Heilkunde, Allergologie, Naturheilverfahren, Homöopathie, Audiologe und Neurootologe (BV HNO))

Albert-Schweitzer-Str. 8, 64711 Erbach
Tel.: 0 60 62 - 39 10
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