Erklärt - Kurz & prägnant

Wie unterscheidet sich eine Coronavirusinfektion (COVID-19) von allergischen Symptomen z.B. durch Pollen?

05/04/2020
Dr. med. Sebastian Wendt

Seit Anfang März sind alle Zeitungen, Fernsehsendungen und das öffentliche Leben vom neuen Coronavirus SARS-CoV-2 bestimmt. Doch nicht nur Viruserkrankungen, wie COVID-19, können schwere Krankheitssymptome verursachen und die Lebensqualität beeinflussen, sondern auch allergische Erkrankungen wie Heuschnupfen und allergisches Asthma während der Baum- und Gräserpollenflugsaison. Allergische Symptome wie trockener Husten, Atemnot, Nasensymptome und Abgeschlagenheit sind denjenigen einer COVID-19 Infektion eventuell ähnlich.

Während der Pollenflug von Hasel und Erle im Mai meist schon wieder vorbei ist, stehen für Baumpollenallergiker im April die Birkenpollen im Vordergrund, bevor ab Mitte Mai die Gräserpollensaison beginnt.

Die nachfolgende Übersicht soll Ihnen helfen, Symptome einer Allergie von einer Infektion mit dem neuen Coronavirus- (Erkrankungsname CoViD-19) zu unterscheiden.

Symptome

Allergie (IgE-vermittelt)

CoViD-19 ("Corona")

Fieber nein fast immer
Atemnot möglich häufig
Kurzatmigkeit möglich häufig
Husten trocken häufig fast immer
Husten produktiv selten selten
Muskel-/Gelenkschmerzen nein möglich
Kopfschmerzen selten möglich
Halsschmerzen selten möglich
Schnupfen, wässrig fast immer selten
Niesreiz fast immer nein
Jucken der Nase häufig selten
Verstopfte Nase häufig selten
Temporäres, vermindertes Riechvermögen möglich häufig
Rötung der Augen häufig nein
Juchen der Augen fast immer nein
Tränende Augen fast immer nein
Jucken der Ohren möglich nein
Übelkeit/Erbrechen nein selten
Durchfall nein selten
Abgeschlagenheit möglich möglich

Zu beachten ist, dass viele Patienten, die sich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert hatten bzw. haben, oft auch fast gar keine Krankheitssymptome zeigten.

Bedeutung für Patienten

Eine harmlose Erkältung, eine Allergie oder Coronavirus-Infektion können ähnliche Symptome haben, jedoch unterscheidet sich der Krankheitsverlauf signifikant voneinander.

 

Allergie (IgE-vermittelt)

CoViD 19 („Corona“)


Erste Krankheitssymptome

Wenige Minuten oder max. 1 Stunde nach Allergenkontakt

Nach ca. 5-6 Tagen
2 – 14 Tage nach der Ansteckung mit den Virus können Symptome auftreten

Dauer der Erkrankung Saisonal während des Pollenfluges oder ganzjährig Wenige Tage bis Wochen (bei schwerem Verlauf)

Erneutes Auftreten der Symptome

Ja, im nächsten Jahr mit Beginn des Pollenfluges, wenn keine ursächliche Therapie erfolgt

Noch nicht abschließend untersucht.
Zumeist sind Patienten nach einem Virus-infektion aber für Monate (oder Jahre?) geschützt


Testmöglichkeiten

Auf der Haut (Pricktest), im Blut (RAST) und an der Nasenschleimhaut (Provokationstestung)

Nasen/Rachenabstrich
bzw. Antikörpernachweise im Blut.


Dauer bis das Test-Ergebnis vorliegt

Pricktest: 15 - 20 Minuten
IgE im Blut: 1-2 Tage
Provotest (Nase): 1-2 Stunden


1-2 Tage

Behandlungsmöglichkeiten

Allergenvermeidung, symptomatische Therapie und spezifische Immuntherapie (SIT, subkutan bzw. sublingual)

Symptomatisch.
Bisher keine Impfung möglich


Prävention

Allergenvermeidung

Allgemeine Hygienemaßnahmen, Händewaschen, Mundschutz, Abstand halten, soziale Kontakte einschränken

Ansteckungsrisiko

Nicht vorhanden
Bei Allergien stehen Vererbung und Umweltfaktoren im Vordergrund

Sehr hoch
Patienten können  bereits 2,5 Tage vor Symptombeginn infektiös sein

Ansteckungsdauer (Kranker auf Gesunde)


Nicht vorhanden

8 Tage nach Symptombeginn

Eine zugelassene Behandlungsmöglichkeit ist für die Infektion mit dem neuartigen Coronavirus (noch) nicht vorhanden. Klinische Studien laufen derzeit mit verschiedenen Medikamenten.

Für allergische Erkrankungen steht dagegen seit über 100 Jahren die spezifische Immuntherapie (SIT) als einzige kausale Therapieoption zur Verfügung.

Für Allergiker kein erhöhtes Risiko durch das neue Coronavirus!

Eine spezifische Immuntherapie (SIT) mit Spritzen (subkutane Immuntherapie) oder mit Tropfen und Tabletten (sublinguale Immuntherapie) hat nach derzeitigem Kenntnisstand keine Auswirkungen auf die Immunabwehr gegen Viruserkrankungen. Die SIT kann deshalb ohne Probleme bei Gesunden durchgeführt werden und sollte nicht abgebrochen werden.

Es ist auch nicht bekannt, dass Patienten, die eine SIT erhalten, ein größeres Risiko haben, an dem neuartigen Coronavirus zu erkranken. Veränderungen des Immunsystems durch die SIT bei allergischen Beschwerden sind unabhängig von immunologischen Prozessen in der Immunabwehr gegen Virusinfektionen.

Wie kann die SIT fortgesetzt werden, wenn der Patient an einem viralen oder bakteriellen Infekt erkrankt ist?

Bei einer viralen und/oder bakteriellen Infektion mit Symptomen wie Fieber, Husten und deutlichem Krankheitsgefühl sollte die SIT unterbrochen werden und der Termin bei der Spritzentherapie auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. Sobald der Patient wieder beschwerdefrei ist, kann die Behandlung (ggf. mit vorübergehend reduzierter Dosierung) wieder aufgenommen werden.

Dr. med. Sebastian Wendt (Facharzt für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde)
Bahnhofstraße 5, 86368 Gersthofen
info@hno-gersthofen.de
http://hno-schwaben.de

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