Erklärt - Kurz & prägnant

Was hilft: Antihistaminika, Kortison oder die spezifische Immuntherapie?

02/02/2018
Throsten Spiekermann

Wenn Sie Allergiker sind, steht Ihnen eine Vielzahl an bewährten Therapien zur Verfügung. Zu den Wirkstoffen gegen Allergien gehören z. B. Antihistaminika und kortisonhaltige Präparate oder Kombinationen davon. Es wird zwischen lokal (an Auge und Nase) und systemischen wirkenden Medikamenten (z.B. Tabletten) unterschieden. Teilweise erhalten Sie diese Medikamente rezeptfrei in der Apotheke.

Diese Arzneimittel nehmen keinen Einfluss auf die Ursache der überschießenden Aktivität Ihres Immunsystems. Sie wirken also nur gegen die Symptome und auch meist nur am Tag der Anwendung und müssen deshalb täglich angewendet werden. Auch können weder Antihistaminika noch Kortison eine Verschlimmerung Ihrer Allergie (z. B. die Entstehung von allergischem Asthma bronchiale) verhindern.

Nur die spezifische Immuntherapie behandelt die Ursache

Leiden Sie nur wenige Tage im Jahr unter leichten Beschwerden, sind lokal anzuwendende Präparate (Nasenspray, Augentropfen) meist ausreichend. Bei länger andauernden bzw. ganzjährigen Beschwerden, z. B. durch Hausstaubmilben oder Haustiere, kann zusätzlich eine Behandlung mit Antihistaminika in Tablettenform hilfreich sein. Gegen die Ursache der Allergie wirkt aber nur die spezifische Immuntherapie (SIT).

Die SIT hat dabei einen anderen Behandlungsansatz: Sie erhalten hierbei eine ansteigende Dosis des Allergens, das Ihre Beschwerden auslöst. Hierdurch wird Ihr Immunsystem beeinflusst und gewissermaßen „beruhigt“. Damit diese Veränderung möglichst Bestand hat, wird die SIT über mindestens drei Jahre durchgeführt. Studien zeigten, dass Patienten durch eine spezifische Immuntherapie seltener Asthma entwickeln als Patienten, die nur mit antiallergischen Medikamenten behandelt wurden.

Bedeutung für Patienten

Bei leichten Symptomen an wenigen Tagen im Jahr (z. B. Bindehautentzündung oder „Heuschnupfen“) genügt fast immer eine Behandlung der Symptome mit antiallergischen Medikamenten. Bei stärkeren - insbesondere an der Nase auftretenden – Beschwerden sind kortisonhaltige Nasensprays sehr wirksam. Doch auch die symptomatische Therapie kann mit Nebenwirkungen einhergehen. Antihistaminika in Tablettenform können z.B. zu Müdigkeit führen und die Fahrtüchtigkeit beeinflussen. Fragen Sie dazu ihren Arzt oder Apotheker.

Spüren Sie von Jahr zu Jahr eine Verschlimmerung der allergischen Beschwerden oder dauern diese bereits mehrere Wochen pro Jahr an, sollten Sie zum Allergologen gehen. Der zu Beginn der Erkrankung harmlose „Heuschnupfen“ kann von der Nase auf die Lunge übergehen; dann droht langfristig ein allergisches Asthma.

Soweit sollten Sie es nicht kommen lassen. Durch eine frühzeitige Immuntherapie können die Symptome nachhaltig und in vielen Fällen andauernd gelindert werden. Auch der Bedarf an Allergie-Medikamenten kann meist deutlich reduziert werden. Zudem senkt sich Ihr individuelles Risiko für Asthma. Am Beginn der SIT kann eine begleitende Behandlung ihrer allergischen Beschwerden durch antiallergische Medikamente notwendig sein. Dies hat keine Auswirkungen auf den Therapieerfolg der spezifischen Immuntherapie.

Thorsten Spiekermann (Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde)
Adolfstraße 71, 65307 Bad Schwalbach
E-Mail: info@hno-rheingau-taunus.de
http://www.hno-rheingau-taunus.de/

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