Erklärt - Kurz & prägnant

Warum der Urlaub am Mittelmeer Allergikern Probleme bereiten kann

05/31/2017
Hans-Georg Vitzthum

Am Mittelmeer dauert die Urlaubssaison länger. Sie beginnt im Februar/März und dauert bis Oktober/November. Viele Menschen aus Nord- und Mitteleuropa sind dann auf der Suche nach Sonne und Erholung in dieser Region unterwegs. Leider gilt das auch für zahlreiche Pollen, die teilweise bei uns nicht heimisch sind.

Typische Pollen im Mittelmeerraum

1.       Pollen bestimmter Baumarten

  • Ölbaum (Olive)
  • Platane
  • Pinie
  • Zeder
  • Zypresse

2.       Pollen bestimmter Gräser und Sommerkräuter

  • Beifuß
  • Glaskraut
  • Ambrosia

Das Glaskraut kann bereits im Februar und Zypressen-Pollen bis Dezember nachgewiesen werden.

Welche Pollen kommen in Mittelmeerländern unter anderem vor:

  • Italien und Portugal: Gräser, Olive, Beifuß und Glaskraut
  • Kroatien: Gräser, Beifuß, Glaskraut und Ambrosia (engl.: Ragweed; dt.: Traubenkraut)
  • Frankreich: Baumpollen, Gräser, Beifuß, Glaskraut und Ambrosia
  • Spanien: Gräser, Olive, Platane und Glaskraut
  • Türkei: Gräser, Olive und Zypresse
  • Griechenland: Olive, Gräser und Glaskraut

Häufige Auslandsaufenthalte fördern exotische Allergien

Vielreisende, ob beruflich oder aus Urlaubsgründen, entwickeln mitunter Pollenallergien, die in Deutschland kaum vorkommen oder keine nennenswerten Beschwerden auslösen. Beim erneuten Aufenthalt am Urlaubs-/Arbeitsort im Ausland treten die Symptome dann aber wieder neu auf.

Durch die enge Verwandtschaft zwischen den Pflanzenarten können aber auch Allergien gegen mediterrane Pflanzen zu Problemen in der Heimat führen. Wissenschaftler sprechen hierbei von einer Kreuzallergenität. Nah verwandt sind z. B. die Esche und die Olive. Beide gehören zur Familie der Oleaceae und können somit auch die gleichen Symptome auslösen.

Bedeutung für Patienten:

Wenn Sie unter Allergien leiden, sollten Sie sich vor Urlaubsantritt sicherheitshalber über die am Reiseziel vorkommenden Allergiequellen informieren. Auch im Urlaub ist eine gezielte Allergenvermeidung meist möglich. Z. B. gibt es in Höhen über 1.500 Metern praktisch keine Milben mehr. Die Berge sind demnach ein ideales Ziel für Milbenallergiker.

Birkenpollen – eine häufige Allergiequelle – sind weder auf den Kanarischen Inseln noch im südlichen Mittelmeerraum relevant nachweisebar. Planen Sie doch Ihre Osterferien an einem dieser Orte, sofern Birken Ihnen zu schaffen machen. Hilfe bei der Urlaubsplanung bieten Ihnen europaweite Pollenflugvorhersagen im Internet.

Reiseapotheke für Allergiker unverzichtbar

Führen Sie als Allergiker immer eine vollständige Reiseapotheke im Urlaub mit sich. Gerade bei einer Insektengift-Allergie oder Asthma muss auch ein entsprechendes Notfallset stets greifbar sein. Bei allergischem Asthma kann dies überlebensnotwendig sein. Transportieren Sie die Notfallmedikament bei Flugreisen stets im Handgepäck!

Termine für spezifische Immuntherapie für Urlaub planen

Erhalten Sie bereits eine spezifische Immuntherapie (SIT) mit Spritzen oder ist eine solche Maßnahme geplant? Dann stimmen Sie bitte Ihre Urlaubsplanung mit der Praxis ab. So können Therapiepausen vermieden werden, die gegebenenfalls den Behandlungserfolg schwächen.

Beginnen Sie mit der Einleitungsbehandlung erst nach dem Urlaub, da hier wöchentliche Behandlungen notwendig sind. In der Fortsetzungsphase der SIT sind durchaus Intervalle von vier bis acht Wochen möglich, ohne eine Dosis-Reduktion vornehmen zu müssen.

Hans-Georg Vitzthum (Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde)
Domplatz 11, 39104 Magdeburg
E-Mail: vitzthum-hno@t-online.de
http://www.hno-magdeburg.de/

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