Erklärt - Kurz & prägnant

Spezifische Immuntherapie im Kindes- und Jugendalter

08/01/2017
Spezifische Immuntherapie
Dr. med. J. Franz-Reichel

Wann sollte diese durchgeführt werden und wann nicht?

Viele Kinder und Jugendliche leiden - wie Erwachsene - ganzjährig oder in bestimmten Monaten des Jahres an einer allergischen Nasenschleimhaut- und Bindehautentzündung. Zudem können die Beschwerden auch die unteren Atemwege betreffen und sich in Form eines allergischen Asthma bronchiale zeigen.

Wenn Vermeidungsmaßnahmen (Karenz) und medikamentöse Therapien keine ausreichende Wirkung zeigen, steht die spezifische Immuntherapie (SIT) als Behandlungsform zur Verfügung.

Bei welchen allergischen Beschwerden ist eine SIT nun sinnvoll?

Bei einer allergischen Nasenschleimhaut- und Bindehautentzündung und mildem bis moderatem Asthma bronchiale ausgelöst durch Pollen und/oder Hausstaubmilben ist eine SIT anzuraten. Im Einzelfall kann auch bei einer Allergie gegen Schimmelpilze und Haustiere eine SIT durchgeführt werden. Eine Insektengiftallergie (gegen Bienen- bzw. Wespengift) stellt ebenfalls eine Indikation für eine SIT dar.

 Wenig oder nicht geeignet ist die SIT zur Behandlung

  • einer atopischen Dermatitis (Neurodermitis),
  • bei Nahrungsmittelallergien,
  • bei einem sogenannten oralen Allergiesyndrom (Birkenallergiker vertragen häufig aufgrund der engen Verwandtschaft der Birkenallergene mit denen von Kernobst und Nüssen diese Nahrungsmittel nicht),
  • nur verstärkter Lokalreaktionen an der Haut nach Insektenstichen.

 Faktoren, die die klinische Wirksamkeit der SIT erhöhen sind:

  • eine geringe Beteiligung der unteren Atemwege,
  • kurze Erkrankungsdauer,
  • gute Motivation und Mitarbeit bei der SIT,
  • junges Lebensalter (eine SIT ist zumeist ab dem 5. Lebensjahr möglich).

Welche Voraussetzungen zur Durchführung einer SIT im Kindes- und Jugendalter sind zu beachten:

Es müssen die Krankengeschichte und die klinischen Beschwerden sorgfältig erhoben und ausgewertet werden. Danach muss durch entsprechende Testungen an der Haut (Pricktest) bzw. im Blut (IgE-Bestimmung) überprüft werden, auf welche Allergene der kleine Patient eine Sensibilisierung hat bzw. allergisch reagiert. Bei Kindern mit Asthma muss zuvor eine anhaltend wirksame Asthmatherapie erfolgen und danach fortgeführt werden.

Wann darf eine SIT bei Kindern trotzdem nicht angefangen oder fortgesetzt werden:

  • bei schwerem Asthma, das nicht ausreichend mit Medikamenten eingestellt ist
  • bei bösartigen Krebserkrankungen mit aktuellem Krankheitswert
  • bei akuten Infektionen
  • bei schwere Autoimmunerkrankungen
  • bei angeborenen oder erworbenen Defekten des Immunsystems
  • bei einer Therapie mit Medikamenten, die den Blutdruck senken (Beta-Blocker)
  • bei der sublingualen Therapieform zusätzlich: Entzündungen der Mundhöhle mit starken Symptomen

Bedeutung für das Kind/den Jugendlichen und die Eltern:

Ein frühzeitiger Beginn der SIT ist gerade bei Kindern mit nur einer Sensibilisierung gegen ein Allergen und ohne asthmatische Beschwerden zu empfehlen.

Hat das Kind spezielle Begleiterkrankungen, wie z.B. Autoimmunerkrankungen, so ist eine individuelle Nutzen-Risikoabwägung empfehlenswert, bevor ggf. eine SIT eingeleitet oder weitergeführt wird.

Tatsache ist auch, dass (derzeit) noch nicht alle allergischen Erkrankungen mit einer SIT behandelt werden können.

Wenn man sich für die SIT entscheidet, sollte diese für mindestens drei Jahre durchgeführt werden.

Dr. med. Jutta Franz-Reichel (Facharzt für Dermatologie)
Berliner Str. 39, 16792 Zehdenick

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