Erklärt - Kurz & prägnant

Ist die Sonnenallergie eine Allergie?

08/29/2017
Prof. Dr. med. C. Termeer

Der Sommerurlaub bringt für manche Menschen nicht nur eine positive Unterbrechung vom Arbeitsalltag, sondern nach dem ersten Sonnenbad am Urlaubsort unangenehme Hauterscheinungen. Wenn Juckreiz, Hautrötung und Bläschen nach dem Bad in der Sonne auftreten, so können dies die bekannten Symptome eines Sonnenbrands sein, es kann aber auch eine Sonnenallergie dahinter stecken. Die Unterscheidung zwischen einem Sonnenbrand und einer Sonnenallergie ist nicht immer ganz einfach. Es wird bei der Sonnenallergie vermutet, dass diese Überempfindlichkeit auf UV-Licht genetisch bedingt ist und einer Autoimmunreaktion ähnelt. Vor allem die weniger aggressiven UV-A Strahlen beeinflussen das Immunsystem bei Menschen mit einer Sonnenallergie.

Eine Sonnenallergie unterscheidet sich immunologisch auch von einer Allergie gegen Pflanzenpollen, Hausstaubmilben, Tierhaare, Lebensmittel etc. Deshalb ist auch die Diagnostik und Therapie ganz anders als bei einer „klassischen“ Allergie gegen z.B. Pollen.

Genau genommen gibt es die Begriffe „Sonnenallergie“ oder „Lichtallergie“ gar nicht in der Medizin. Es sind umgangssprachliche Begriffe für mehrere sehr unterschiedliche Erkrankungen. Eines ist diesen Erkrankungen aber gemeinsam: das Licht der Sonne spielt eine wesentliche Rolle.

Welches ist die häufigste Form einer „Sonnenallergie“?

Unter den sogenannten Sonnenallergien ist die „polymorphe Lichtdermatose“, die auch Sonnenekzem genannt wird, besonders weit verbreitet. Sie tritt vorwiegend in den Monaten März bis Juli nach dem ersten intensiven Sonnenkontakt auf. Bei Touristen, die in sonnenreiche Regionen fahren, auch außerhalb der Sommersaison.

In Mitteleuropa ist mehr als jeder zehnte Mensch betroffen. Sie kann in jedem Alter auftreten (meist aber bei Kindern und jungen Erwachsenen) und tritt altersunabhängig häufiger bei Frauen als bei Männern auf. Andere Formen, wie z.B. die eher Pickel-bildende Mallorca-Akne werden hier nicht besprochen; sie sind im Internet näher beschrieben.

Wie macht sich die „Sonnenallergie“ bemerkbar?

An den Hautstellen, die eine ungewohnt hohe Dosis an Sonnenlicht abbekommen, wie z.B. bei dem ersten Sonnenbad nach den Wintermonaten oder zu Beginn eines Strandurlaubs im Süden, kommt es nach Stunden oder wenigen Tagen zu stark juckenden, fleckigen Rötungen. Meist entstehen diese Ekzeme an den Hautarealen, die der Sonne direkt ausgesetzt waren, wie Gesicht, Hals, Dekolleté, Armen, Handrücken und Beinen.

Bedeutung für Patienten

Wenn Sie eine Sonnenallergie vermuten, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Ist dies am Urlaubsort nicht möglich, sollten Sie Bilder machen. Juckreiz-lindernd und antientzündlich wirken Kühlgele und kortisonhaltige Cremes. Diese sind in vielen europäischen Ländern in den Apotheken freiverkäuflich erhältlich.

Nach Ihrer Rückkehr können Sie Ihrem Arzt die Bilder mit den Hautreaktionen zeigen, da die Hauterscheinungen bis dahin in der Regel wieder völlig abgeklungen oder kaum noch sichtbar sind. Ihr Arzt wird entscheiden, ob und welche diagnostischen Schritte nötig sind.

Beschwerdelinderung bei einer Sonnenallergie durch Medikamente:

Antihistaminika können den quälenden Juckreiz verringern. Bei unangenehm starkem Juckreiz kann Ihr Arzt kortisonhaltige Präparate zum Auftragen auf die Haut verschreiben oder Sie fragen in der Apotheke.

Auch Sie selbst können aktiv werden: feuchte Umschläge und Kühlen der Haut mit Kühlpackungen lindern die Symptome. Es sollten aber keine Eiswürfel direkt auf die Haut gelegt werden, da sonst Erfrierungen entstehen können.

Optimaler Sonnenschutz ist besonders wichtig bei einer polymorphen Lichtdermatose. Dieser ist auch unabhängig von einer Lichtallergie zu empfehlen. Sowohl im Frühjahr als auch am Urlaubsort sollte man die Haut vorsichtig und allmählich an mehr Sonne gewöhnen.

Dies ist auch grundsätzlich empfehlenswert, um einen Sonnenbrand zu vermeiden. Eine Infobroschüre zum „Standardisierten Lichtschutz“ kann beim Netzwerk niedergelassener Dermatologen (www.onkoderm.de oder unter info@onkoderm.de) angefordert werden.

 Weitere Maßnahmen, um einer Sonnenallergie vorzubeugen:

  • Kleidung mit eingewebtem, nicht auswaschbarem UV-Schutz: Sonnenhut und sonstige (langärmelige) Oberbekleidung sowie lange Hosen halten Sonnenstrahlen (teilweise) ab. Fragen Sie im Fachgeschäft nach geprüfter UV-Schutzkleidung (UV Standard 801 des Instituts Hohenheim).
  • Vermeiden Sie die direkte Mittagssonne. Die UV-Strahlung erreicht zwischen 11 und 15 Uhr ein Maximum; deshalb lieber drinnen oder im Schatten aufhalten.
  • Großzügig Sonnencreme verwenden. Dabei sollte ein hoher Lichtschutzfaktor von 30 und höher verwendet und ca. 30 Minuten vor dem Sonnenbad auf die kalte Haut aufgetragen werden. Ideal gleich morgens beim Zähneputzen. Dann sind auch keine störenden Kleidungsstücke im Weg.
  • Die Sonnencreme sollte sowohl vor UVA- als auch vor UVB-Strahlung schützen und möglichst keine oder wenig Konservierungs- und Duftstoffe enthalten. Ihr Apotheker kann Sie hierzu beraten. Viele Hersteller bieten eigene „sensitive“ Serien an, die besser für Sonnenallergiker geeignet sind.
  • Nehmen Sie Sonnenschutz von hier mit in den Urlaub. Die Europäische Norm für Lichtschutzmittel bietet den weltweit höchsten Standard. 
  • Auch hinter Fenstern ist Vorsicht geboten: UV-A Strahlung geht auch durch Glasscheiben von Gebäuden oder Autos.
  • Ob Kalzium, Vitamin E oder Omega-3-Fettsäuren bei einer polymorphen Lichtdermatose helfen, ist nicht wissenschaftlich belegt.

 Reiseapotheke rechtzeitig überprüfen und bei bekannter Lichtallergie vor der Urlaubszeit ggf. eine Arzttermin planen

Patienten mit einer bekannten Sonnenallergie sollten beim Urlaub im Ausland immer Sonnencreme und eine Reiseapotheke mit nötigen Medikamenten mit sich führen. Damit der Sommerurlaub und das Sonnenbaden in guter Erinnerung bleiben!

 

Prof. Dr. med. Christian Termeer (Facharzt für Dermatologie)
Rennstraße 2, 70499 Stuttgart-Weilimdorf
E-Mail: info@hautarzt-termeer.de
www.hno-vahle.de

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