Erklärt - Kurz & prägnant

Fruktose-Intoleranz: Wenn der Fruchtzucker Probleme macht

10/05/2018
Dr. med. Kubilay Özcan

Wenn Sie unter einer Nahrungsmittel-Allergie leiden, können Sie nach dem Verzehr kleinster Mengen von z. B. Erdnüssen, Fisch oder Nüssen unter schweren und bis hin zu lebensbedrohlichen Reaktionen leiden.

Eine „echte“ Nahrungsmittel-Allergie kommt seltener vor als vermutet. Hierbei lassen sich Antikörper (Immunglobulin E) im Blut der allergischen Person nachweisen. Vier Prozent aller Erwachsenen und Kinder leiden darunter.

Bei den Intoleranzen ist das Immunsystem, im Unterschied zu den Allergien, nicht beteiligt. Die Begriffe „Intoleranz“ und „Unverträglichkeit“ werden oft synonym verwendet. Es hat sich etabliert, den Begriff Nahrungsmittel-Unverträglichkeit als Überbegriff zu verwenden. Menschen mit einer Nahrungsmittel-Unverträglichkeit fühlen sich häufig krank.

Fruktose-Intoleranz wird häufiger

Die Bedeutung der Fruktose-Intoleranz hat in den letzten Jahren zugenommen, da sich die Menge an Fruktose (Fruchtzucker) in der Nahrung durch industriell angebotene Süßungsmittel erheblich erhöht hat. Auch veränderte Essgewohnheiten mit mehr Obstkonsum können dabei eine Rolle spielen. Fruchtzucker wird mit der Nahrung aufgenommen.

Die tägliche Aufnahme pro Person liegt üblicherweise zwischen 10 und 50 Gramm, je nach Land und Ernährungsgewohnheiten. Auch wenn Sie gesund sind, können Sie lediglich 35 bis 50 Gramm Fruchtzucker am Tag aufnehmen. Mehr kann der Darm nicht ins Blut aufnehmen.

Fruktose-Malabsorption: Mangelnde Aufnahme durch den Darm

Neben dem Begriff Fruktose-Intoleranz wird auch von Fruktose-Malabsorption gesprochen. Dieser Begriff kommt aus dem lateinischen und bedeutet so viel wie „schlechte Aufnahme“. Man versteht darunter einen krankhaften Zustand, bei dem die Aufnahme von Fruchtzucker durch die Darmwand in die Blutbahn vermindert ist.

Die Unterscheidung zwischen Malabsorption und Intoleranz ist noch relativ neu. Erstgenannte muss nicht dazu führen, dass der aufgenommene Fruchtzucker generell unverträglich ist. Wichtiger ist die Menge, die Sie aufnehmen. Bei der Fruktose-Malabsorption ist die Aufnahmekapazität von Fruktose begrenzt. Patienten vertragen meist höchstens 25 Gramm pro Tag.  

Unterschied zwischen Allergie und Intoleranz

Wie unterscheidet sich eine Nahrungsmittel-Allergie nun von einer Nahrungsmittel-Intoleranz:

Nahrungsmittel-Allergie Fruktose-Intoleranz
Sehr rasche Entwicklung der Beschwerden (Minuten) nach Verzehr des Allergens. Beginn der Symptome sehr unterschiedlich, oft Magen-Darm-Beschwerden, wie sie auch bei einer Allergie auftreten können.
Meist reichen kleinste Mengen eines Allergens aus, um Symptome auszulösen. Beschwerden abhängig von der individuellen Dosis.
Nach Verzehr des Lebensmittels können lebensbedrohliche Reaktionen auftreten. Lebensbedrohliche Reaktionen sind nicht zu erwarten.
Diagnose: Nachweis von Antikörpern (Immunglobulin E) im Blut oder Hauttest. Die Fruktose-Malabsorption wird mittels eines Atemtests (H2-Atemtest) diagnostiziert.

 

Bedeutung der Fruktose-Intoleranz für Patienten

Bis zu 15 Prozent der Bevölkerung in Deutschland sind davon betroffen.

Nahrungsmittel mit hohem Fruchtzuckergehalt

Besonders reich an Fruchtzucker sind folgende Nahrungsmittel:

  •  Honig
  • frisches Obst
  • Trockenobst
  • Marmeladen
  • Fruchtsäfte

Ursache einer Fruktose-Malabsorption

Ursache ist ein Transporter-Defekt bzw. Mangel (Malabsorption) für den Fruktose-Transport durch Ihren Dünndarm. Der Fruchtzucker kann nicht vollständig von dort ins Blut transportiert werden. Dafür zuständig sind die sogenannten „GLUT-Transporter“. Diese Bezeichnung steht für GLUkose-Transporter.

Der infolge des GLUT-Mangels nicht aufgenommene Fruchtzucker verbleibt im Dünndarm und wird von hier aus in Richtung Dickdarm transportiert. Dort findet dann der weitere Vergärungsprozess statt, die zu den typischen Beschwerden führt.

Typische Magen-Darm-Symptome

Durch den Vergärungsprozess entstehen folgende Symptome:

  • Völlegefühl
  • Blähungen
  • krampfartige Bauchschmerzen
  • Verstopfung und/oder Durchfall
  • Übelkeit
  • Darmgeräusche

Fruktose-Intoleranz mit Diät behandeln

Die Fruktose-Malabsorption ist grundsätzlich heilbar, eine Ernährungstherapie ist der entscheidende Schritt. Diese besteht aus 3 Phasen:

  1. Karenzphase: Sie beginnt mit einer Fruchtzucker-armen Kost für maximal zwei Wochen. Dadurch werden die Beschwerden reduziert. 
  2. Testphase: Durch erneuten Verzehr verschiedener Obstsorten in unterschiedlicher Menge wird Ihre Fruchtzucker-Verträglichkeit überprüft. Diese Phase dauert bis zu sechs Wochen.
  3. Dauerernährung: Diese besteht aus individuellen Ernährungsempfehlungen unter Berücksichtigung von Anzahl und Frequenz Ihrer Mahlzeiten

Beachten Sie, dass eine alleinige Reduktion von Fruchtzucker durch die Ernährung nicht zielführend ist. Eine erfahrene Ernährungsfachkraft sollte die Phasen begleiten um eine dauerhafte Besserung zu erreichen.

Fruchtzuckergehalt von Lebensmitteln prüfen

Übersichtstabellen zum Fruchtzucker-Gehalt in verschiedenen Getränken und Nahrungsmitteln finden Sie im Internet und in Fachbüchern.

Weitere Tipps

Eine regelmäßige und langsame steigende Menge an Obst führt zu einer Vermehrung der GLUT-Transportproteine im Darm. Wenn Sie unter Depressionen leiden, sollten Sie auch an eine Fruktose-Malabsorption denken und diese überprüfen lassen.

Dr. Kubilay Özcan (Facharzt für Dermatologie)
Friedrich-Ebert-Str. 60, 46535 Dinslaken
Telefon: 02064 40164

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