Erklärt - Kurz & prägnant

Allergische Reaktionen auf Insekten: Mücken, Zecken, Raupen und Co.

09/03/2018
Dr. med. Taylan Senol

Bei allergischen Reaktionen nach Insektenstichen denkt man meistens an Stiche von Bienen und Wespen, deren Stiche zu lebensgefährlichen allergischen Symptomen führen können. Doch auch andere Insekten können Allergien auslösen. Teilweise leben diese in Deutschland, anderen begegnen wir beim Urlaub in südlichen Gefilden.

Der Stich blutsaugender Insekten führt meist lediglich zu einem unangenehmen Juckreiz um die Einstichstelle herum. Typische Vertreter dieser Art sind:

  • Stechmücken
  • Bremsen
  • Gnitzen
  • Kriebel-Mücken
  • Läuse
  • Wanzen
  • Flöhe
  • Spinnentiere, wie Zecken (gehören nicht zu den Insekten)

Allergene und Erreger im Speichel

Bei vielen der oben genannten Arten saugen nur die weiblichen Tiere Blut. Die Allergene entstammen dabei dem Speichel, der während des Saugens kontinuierlich in die Wunde abgegeben wird. Der Stich selbst ist im Gegensatz zu Bienen- und Wespenstichen kaum giftig. Bedenken Sie bei Urlaubsreisen, dass Stechmücken Krankheiten wie Malaria oder Virus-Erkrankungen (z. B. Gelbfieber) übertragen können.

Auch in Deutschland können Borrelien (Borelliose verursachende Bakterien) und Viren durch Zeckenbisse übertragen werden (Frühsommer-Hirnhautentzündung; FSME). Eichenprozessionsspinner können nach Kontakt mit Wehrhaaren und Borsten Hautreaktionen, aber auch Beschwerden an den Atemwegen (wie Asthmaanfälle) auslösen, die ebenfalls nicht allergisch bedingt sind.

Sofort- und Spätreaktionen

Manche Menschen reagieren erst einige Stunden nach dem Stich und entwickeln ausgeprägte lokale Reaktionen, die mehrere Tage andauern können. Diese Beschwerden werden in Sofort- und Spätreaktionen unterteilt. Sofortreaktionen setzen unmittelbar nach dem Stich oder Biss ein.

Nach ca. 20 Minuten ist der Höhepunkt der Reaktion erreicht. Juckreiz, Quaddeln und Rötung stehen im Vordergrund. Die Spätreaktion erreicht ihren Höhepunkt dagegen erst nach 24 bis 36 Stunden. Sie zeigt sich in Form juckender und zeitlich fortbestehender Papeln.

Diagnostische Möglichkeiten

Ihr behandelnder Arzt (Allergologe) wird Sie fragen, welche Art von Beschwerden Sie nach dem Insektenstich haben. Derzeit stehen nur für Bienen- und Wespengift-Allergiker Hauttests, z.B. der Pricktest, zur Verfügung.

Therapeutische Möglichkeiten

Vorbeugende Maßnahmen stehen hier im Vordergrund. Anders als bei Bienen- und Wespengiftallergikern gibt es für die oben genannten Insekten bisher keine Möglichkeit der spezifischen Immuntherapie (SIT). Nur durch geeignete Kleidung und Verwendung von Repellents (Vergrämungsmittel) können Sie sich schützen. Vergrämungsmittel sind Verbindungen, die Insekten durch Ihren Geruch abschrecken, diese aber nicht töten.

Bis zu 40 Prozent der Stiche gehen durch die Kleidung. Deshalb kann eine Imprägnierung der Kleidung mit Permethrin zusätzlich sinnvoll sein.  Lokal aufzutragende antiallergische Medikamente sind meist nicht ausreichend wirksam, haben aber einen kühlenden Effekt. Gut wirksam ist die vorsorgliche Einnahme von bestimmten Antihistaminika, die die Quaddel-Größe und den Juckreiz reduzieren.

Bedeutung für Patienten

Überempfindlichkeiten gegen Stiche von blutsaugenden Insekten sind häufig, schwere und lebensbedrohliche Reaktionen dagegen nur selten. Wenn Sie stark allergisch reagieren, nehmen sie vorbeugend ein Antihistaminikum als Tablette ein. Hierdurch werden Juckreiz, Quaddel-Größe und Spätreaktionen gemildert.

Für starke Spätreaktionen sind kortisonhaltige Medikamente geeignet. Tragen Sie diese auf die Haut auf. Verwenden Sie vorbeugend Fenstergitter, abdeckende Kleidung, Insektennetze und Reppellentien (Mückenschutz-Mittel).

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Überprüfen Sie, ob Stechmücken etc. am Urlaubsziel vermehrt vorkommen. Achten Sie auf passende Kleidung und nehmen Sie Mückenschutzmittel mit. Zudem sollten Patienten, die stark auf Stiche reagieren, vorbeugend antiallergische Medikamente anwenden, um mögliche Stichreaktionen abzuschwächen.

Dr. med. Taylan Senol (Facharzt für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde)
Genovevastr 16-18, 51065 Köln (Mülheim)
Mail: info@hno-koeln-muelheim.de
http://www.hno-koeln-muelheim.de

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