Erklärt - Kurz & prägnant

Allergien und andere Unverträglichkeiten gegen Schmerzmittel – was Sie darüber wissen sollten

06/24/2020
Grükan Durmaz

Viele Menschen nehmen regelmäßig Schmerzmittel (Analgetika) ein. Überempfindlichkeiten oder allergische Reaktionen können auch gegen solche Wirkstoffe auftreten. Die Bezeichnung Analgetika leitet sich aus dem altgriechischen Wort ἄλγος álgos, deutsch ‚Schmerz‘, ab.

Im Normalfall unterdrücken diese Medikamente die Schmerzempfindung, ohne das Bewusstsein des Patienten zu beeinflussen. Experten schätzen, dass bis zu 5 % der Bevölkerung von einer Schmerzmittel-Unverträglichkeit betroffen sind. Bei Menschen mit Asthma bronchiale könnten es sogar zwischen 5 und 10 % sein.

Alle Schmerzmittel können Unverträglichkeiten/Allergien auslösen

Neben Schmerzmitteln zur Behandlung von Kopfschmerzen wie z. B. Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Ibuprofen spielen Schmerzmittel in der Rheumatherapie eine große Rolle. Zur Abgrenzung von Medikamenten mit Kortison werden diese als nichtsteroidale Arzneimittel bzw. nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) oder Antiphlogistika (NSAP) bezeichnet, da sie eine entzündungshemmende (antiphlogistische) Wirkung aufweisen.

Doch wie alle Medikamente, können auch NSAR oder andere Schmerzmittel zu Nebenwirkungen führen. Dabei wird zwischen nicht allergischen Analgetika-Intoleranzen und den seltenen Analgetika-induzierten anaphylaktischen Reaktionen unterschieden.

Bekannte nicht-allergische Nebenwirkung bei regelmäßiger Anwendung von Schmerzmitteln

Die häufigste Nebenwirkung der NSAR sind Magenschleimhautschädigungen mit Geschwürbildungen. Bei einer Langzeittherapie kann die Niere geschädigt werden. Mögliche weitere Nebenwirkungen sind in der Gebrauchsinformation aufgeführt, die in jeder Medikamentenpackung enthalten ist.

Nicht-allergische (pseudoallergische) und allergische Intoleranz

Sehr selten kommt es nach der Anwendung von Schmerzmitteln zu allergischen Überempfindlichkeits-Reaktionen bis hin zum lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock. Unter einer nicht-allergischen Überempfindlichkeitsreaktion verstehen Mediziner eine individuelle, nicht vorhersehbare Reaktion auf ein Medikament ohne Beteiligung des Immunsystems.

Pseudoallergische Reaktionen entstehen ohne vorherige Sensibilisierung und können somit bereits beim ersten Kontakt mit dem Medikament auftreten. Eine Pseudo-Allergie hat nichts mit Einbildung zu tun. Die Beschwerden ähneln oder gleichen einer echten Allergie.

Bei einer Allergie ist das Immunsystem beteiligt

Bei einer Arzneimittelallergie reagiert das Immunsystem auf den Wirkstoff. Dies kann zu Nesselsucht, Asthma oder einem allergischen Schock führen. Die Symptome treten typischerweise 30 bis 60 Minuten nach der Einnahme, selten erst mehrere Stunden (bis 12 Stunden) nach der Anwendung auf.

Reaktionen auf der Haut (sog. Arzneimittelexantheme) zeigen sich dagegen meist erst mehrere Tage nach Beginn der Einnahme. Hautausschläge nach der Anwendung von Schmerzmitteln treten eher selten auf. Diese sind zudem meistens nicht lebensbedrohlich, können aber äußerst unangenehm sein.

Obere Atemwege entzünden sich

Bei einer Intoleranz gegen Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure können sich aber häufiger Entzündungen der Nasenschleimhaut, der Nasennebenhöhlen und den Bronchien entwickeln. Manchmal bilden sich auch Polypen und Schleimhaut-Wucherungen, die den Geruchssinn beeinträchtigen können.

Bedeutung für Patienten

Wenn Sie nach der Einnahme eines Schmerzmittels Nebenwirkungen feststellen, sollten Sie dies Ihrem behandelnden Arzt mitteilen.

Dabei ist wichtig, dass Sie folgende Informationen zusammenstellen:

  • Dokumentieren Sie die festgestellten Symptome und beteiligte Organsysteme (wie z. B. an der Haut oder Magen-Darmtrakt)
  • Machen Sie bei einem Hautausschlag Fotos
  • Notieren Sie die Dauer der Anwendung und die Dosierung des Analgetikums
  • Heben Sie das Medikament und die Packung auf und nehmen diese zum nächsten Arzttermin mit
  • Wenn Sie Symptome eines anaphylaktischen Schocks wie z. B. Schwindel, Kopfschmerzen, Hautreaktionen, Atemwegsreaktionen oder Herzrasen entwickeln, rufen Sie die Nummer 112 oder Ihren Arzt.

Weitere (diagnostische) Maßnahmen nach einer Medikamenten-Nebenwirkung

  • Für einige Wirkstoffe gibt es verschiedene Hauttestverfahren oder Untersuchungen im Blut. Häufig sind Haut- und Labortests aber negativ oder nicht sicher aussagekräftig.
  • In diesen Fällen kann es notwendig sein, dass ein Provokationstest mit dem Medikament durchgeführt wird. Die Provokationstestung sollte allerdings nur in einer spezialisierten Praxis oder Klinik durchgeführt werden.
  • Zur Abklärung der Arzneimittelreaktion gehört auch die Testung von Präparaten, die alternativ für die Behandlung in Frage kommen
  • Sie oder Ihr Arzt sollten die Nebenwirkung an die im Beipackzettel genannte Behörde oder den Hersteller des melden.

Allergiepass erleichtert Umgang mit Allergie

Wenn bei Ihnen  nach Anwendung eines Schmerzmittels eine (schwere) allergische Reaktion aufgetreten ist und bestätigt wurde, sollte Ihnen ein Allergiepass ausgestellt werden. Legen Sie diesen künftig Ihrem Arzt und/oder Apotheker vor.

Dadurch wird verhindert, dass Sie erneut einen Wirkstoff verordnet bekommen, den Sie nicht vertragen. Ihr Arzt bzw. Apotheker kann dann nach geeigneten Ausweichmedikamenten für Sie suchen.

Dr. med. Gürkan Durmaz (Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin)
Luisenstr. 8, 51399 Burscheid
Tel.: +49 (0) 2174 8586
http://www.kinderarzt-burscheid.de

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