Erklärt - Kurz & prägnant

Allergie und Psyche: kann Stress die Symptome verstärken?

03/26/2019
Dr. med. Hedwig Winiarski

Wenn Sie unter einer Allergie leiden, werden Sie möglicherweise am Tag (z.B. durch Pollen oder Tierhaare) und in der Nacht (z.B. durch Hausstaubmilben) von allergischen Beschwerden geplagt. Dies kann zu Unruhe und Gereiztheit führen.

Einige Patienten entwickeln soziale Probleme. Wird Ihr Schlaf durch Allergien langfristig gestört, können sich depressive Symptome und Ängste entwickeln. Chronische Müdigkeit beeinträchtigt zudem die schulischen und beruflichen Leistungen. Neben Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Depressionen können aber auch Nervosität, Unruhezustände bis hin zur Hyperaktivität auftreten.

Direkter Zusammenhang nicht nachgewiesen

Allergien sind keine psychischen Erkrankungen. Sie entstehen vor allem durch eine Fehlsteuerung des Immunsystems. Ihr Körper reagiert dabei auf harmlose Substanzen aus der Umwelt (z. B. Pollen) so, als seien es Krankheitserreger. In der Vergangenheit wurde der Versuch unternommen, einen Zusammenhang zwischen Allergien und Verhaltens- bzw. Persönlichkeitsmerkmalen herzustellen. Dieser Ansatz blieb erfolglos; spezielle „Allergiepersönlichkeiten“ gibt es nicht.

Dass eine enge Beziehung zwischen Nerven- und Immunsystem vorhanden ist, steht aber außer Frage. Beide Systeme wirken in beide Richtungen und werden durch Botenstoffe (Neurotransmitter) gesteuert. Diese Botenstoffe werden nicht nur von Nervenzellen, sondern auch von Immunzellen gebildet.

Vorstellungen können Symptome auslösen

Manche Allergiker bekommen Beschwerden, ohne dass Pollen oder andere Allergene in der Nähe sind. Und tatsächlich lassen sich allergische Beschwerden mittels Suggestion, Hypnose oder das Betrachten eines Fotos (z. B. mit einem Pferd) auslösen. Der Patient erwartet geradezu, dass er bei Kontakt mit Pferden Symptome wie Atemnot entwickelt. Die Reaktion läuft reflexartig ab.

Oft spielen Depressionen, Ängste, Beziehungskonflikte und Stress eine Rolle beim Auftreten allergischer Symptome. Experten gehen davon aus, dass bei etwa 50 Prozent aller Asthmaanfälle emotionale Faktoren als Auslöser beteiligt sind.  

Psychische Belastungen können Beschwerden verstärken

Unter den Menschen gehen die Meinungen, ob eine Allergie eher eine körperliche oder eine psychische Erkrankung ist, auseinander. Neuere Untersuchungen zeigen zumindest, dass vor allem bei Nesselsucht, allergischem Asthma und bei Neurodermitis die Psyche durchaus eine Rolle bei der Krankheitsentstehung spielt. 

Bei Neurodermitis kann negativer, emotional belastender Stress nachweislich Krankheitsschübe auslösen und die Erkrankung teilweise erheblich verschlimmern. Die Haut fungiert dann als „Überdruckventil“ der Seele. Auch bei der Nesselsucht kann unterdrückte Wut zu den bekannten Hautreaktionen beitragen. Haben Heuschnupfenpatienten in der Zeit des Pollenfluges psychische Konflikte zu verarbeiten, so verstärken sich dann auch möglicherweise die Beschwerden.

Stress schlägt auf den Magen

Wenn Sie unter beruflichem Druck stehen oder stark emotional belastende Situationen durchleben, können Sie unter Magenkrämpfen oder Durchfall leiden. Ein Allergietest auf Nahrungsmittel fällt in vielen Fällen trotzdem negativ aus, weil es sich eben nicht um eine „echte“ Allergie handelt.

Trotzdem kann es hilfreich sein, wenn Sie auf gewisse Lebensmittel, die die Magenschleimhaut reizen, vorübergehend verzichten oder eine Schonkost einlegen. Schulungsprogramme mit Atem-Körper- und Entspannungsübungen können Ihnen helfen, mit dem Stress besser umzugehen und zukünftig weniger Beschwerden zu entwickeln.

Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern beobachten

Wenn sich Ihr Kind psychisch verändert hat oder auffällig verhält, probieren Sie eine allergenarme Diät. Beobachten Sie dann genau, ob sich das Verhalten des Kindes geändert hat. Insbesondere wenn Auffälligkeiten im Verhalten der Kinder nach Genuss bestimmter Lebensmittel auftreten, sollten diese Lebensmittel in Absprache mit dem Kinderarzt vorübergehend oder auch langfristig mengenmäßig reduziert oder ganz gemieden werden.

Bedeutung für Patienten

Es gibt angeborene oder durch Kontakt erworbene Allergien, die bei jeder psychischen Verfassung auftreten und bei denen keinerlei Zusammenhänge mit seelischen Problemen nachweisbar sind. Werden Ihre Beschwerden aber durch starke Ängste oder emotionale Konflikte stärker, könnte eine psychotherapeutische Behandlung sinnvoll sein. Beobachten Sie genau, ob sich die Allergie in solchen Situationen verschlimmert. Nur dann macht der Gang zum Psychotherapeuten Sinn. Das Führen eines Allergietagebuchs kann hilfreich sein.

Vor jeder Änderung Allergietest machen lassen

Gehen Sie or jeder Ernährungsumstellung oder Änderung der Medikamenteneinnahme zum Arzt (Allergologe). Dieser führt Allergietests an der Haut und im Blut durch. Findet er spezielle auslösende Antikörper (Immunglobulin E), ist die Allergie bestätigt. Erst dann kann eine Behandlung durch Auslöser-Vermeidung und/oder Medikamente erfolgen.

Spezifische Immuntherapie erhöht Lebensqualität

Studien bestätigen, dass die spezifische Immuntherapie – auch bekannt als Hyposensibilisierung – bei bestimmten Allergien zu einer deutlichen Verringerung der Beschwerden führen kann. Die Menge an Medikamenten kann im Erfolgsfall reduziert werden und Ihre Lebensqualität steigt deutlich.

Wenn Sie weniger Juckreiz haben, besser schlafen und körperlich wieder belastbarer sind, verbessert sich meist auch die Stimmung. Depressive Verstimmungen und Ängste gehen zurück und Sie können Ihren Alltag wieder besser meistern.

Dr. med. Hedwig Winiarski (Fachärztin für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Naturheilverfahren, Akupunktur, Ästhetische Medizin)
Kölner Straße 105, 42651 Solingen
E-Mail: hno@hedwig-winiarski.de
https://www.hno-winiarski.de/

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