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Ärzte erklären-Artikel

Wirksamkeit der Hyposensibilisierung – Bringt das wirklich etwas?

Eine Allergie ist nicht nur lästig, sondern kann auch die Lebensqualität der Betroffenen nachhaltig einschränken. In seltenen Fällen nimmt die Allergie sogar lebensbedrohliche Ausmaße an, z. B.

  • nach Insektenstichen
  • nach dem Verzehr von Nahrungsmitteln, auf die reagiert wird
  • durch einen Asthmaanfall nach Allergenkontakt (z. B. Tierhaare)

Bei allergischen Reaktionen gegen eingeatmete Allergene aus Pollen oder von Hausstaubmilben erfahren Allergiker durch die Einnahme von antiallergischen Nasensprays, Augentropfen oder Tabletten meist eine Linderung. Diese Medikamente unterdrücken jedoch nur die Symptome, aber bekämpfen nicht die eigentliche Ursache der Allergie.

Mithilfe einer Hyposensibilisierung wird die Ursache der Allergie behandelt, wodurch Patienten nachhaltig profitieren sollen.

 

Was ist eigentlich eine Hyposensibilisierung?

Das Prinzip beruht darauf, das Immunsystem des Patienten in kontinuierlichen Abständen mit geringen Mengen der allergieauslösenden Substanz (Allergen) zu konfrontieren. Durch den regelmäßigen Kontakt soll sich das Immunsystem an das Allergen gewöhnen und mit weniger starken allergischen Beschwerden reagieren; im Idealfall bleiben die Reaktionen ganz aus.

Hierdurch kommt es im Erfolgsfall auch zu einer Verbesserung der Lebensqualität des Patienten. Die Hyposensibilisierung kann durch die Einnahme von Tropfen bzw. Tabletten (sublingual) oder durch Spritzen unter die Haut (subkutan) erfolgen.

 

Klinische Studien belegen die Wirksamkeit der Hyposensibilisierung

Klinische Studien belegen, dass beide Formen der Hyposensibilisierung – das Spritzen sowie die Einnahme unter die Zunge – wirksame Behandlungsmethoden sein können. So führt eine Hyposensibilisierung bei vielen Patienten zur Verringerung der allergischen Beschwerden und einer Reduktion des Medikamentenbedarfs.

 

Pollenallergie: Drei bis vier Monate vor dem Pollenflug sollte begonnen werden

Für Pollenallergiker gilt: Wenn die Hyposensibilisierung ca. drei bis vier Monate vor dem zu erwartenden Pollenflug begonnen wird, kann bereits im ersten Behandlungsjahr mit Erfolgen gerechnet werden. Bis eine vollständige Wirkung der Hyposensibilisierung eintritt, vergehen in der Regel jedoch zwei bis drei Jahre.  

 

Risiko für Asthma und neue Allergien kann reduziert werden

In Studien konnte für bestimmte Präparate gezeigt werden, dass eine Hyposensibilisierung zudem das Risiko verringern kann, eine neue Allergie zu entwickeln und sie wirkte vorbeugend gegenüber der Entstehung von allergischem Asthma bronchiale durch den sogenannten „Etagenwechsel“. Damit ist gemeint, dass die allergischen Beschwerden sich von der Nase auf die unteren Atemwege ausweiten.

 

Für wen ist die Therapie geeignet?

Die Therapie eignet sich besonders gut für Menschen mit den folgenden Allergien:

Der Nutzen der Hyposensibilisierung bei Schimmelpilz- oder Tierallergie ist weniger gut untersucht.

 

Gibt es Kontraindikationen gegenüber der Hyposensibilisierung?

Tatsächlich gibt es einige Erkrankungen, bei denen eine Hyposensibilisierung nicht empfehlenswert ist. Dazu gehören v. a.:

  • schwere Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems
  • schwerwiegende Autoimmunerkrankungen
  • medikamentös nicht richtig eingestelltes Asthma

Hier muss der behandelnde Arzt eine individuelle Entscheidung nach Betrachtung aller Risiken treffen.

 

Hilft die Therapie auch meinem Kind?

Auch allergische Kinder können von einer Hyposensibilisierung profitieren. Die Datenlage zur Wirksamkeit ist hier insbesondere für die Gräser- und Baumpollenallergie gut belegt. Neuere Daten bei Kindern mit einer Allergie auf Gräserpollen zeigen zudem eine Reduktion der Asthmasymptome nach einer Hyposensibilisierung. Für den Beginn einer Therapie sollte das Kind in der Regel mindestens fünf Jahre alt sein.

 

Kann ich selbst zum Therapieerfolg beisteuern?

Hier lautet die Antwort ganz klar ja! Die Wirksamkeit der Hyposensibilisierung kann durch verschiedene Faktoren positiv beeinflusst werden. Dazu gehören:

  1. Eine kurze Erkrankungsdauer: Gehen Sie bei allergischen Beschwerden möglichst früh zu einem sachkundigen Arzt, um Ihre Beschwerden abzuklären
  2. Ein junges Lebensalter: Je früher Sie mit der Therapie beginnen, desto besser
  3. Eine hohe Bereitschaft zur Mitwirkung: Dazu gehören die regelmäßige Einnahme der Allergiepräparate (Tropfen oder Tabletten) bzw. Einhaltung der Termine zur Allergiespritze
  4. Die Therapie nicht vorzeitig abbrechen: Eine möglichst hohe Allergendosis erhöht die Wahrscheinlichkeit eines Therapieerfolgs. Je länger Sie die Therapie also durchziehen, desto mehr Allergenlösung wird Ihrem Immunsystem präsentiert – die Wahrscheinlichkeit eines Therapieerfolgs steigt!

Eine Garantie für den Erfolg einer Hyposensibilisierung gibt es aber leider nicht. In einigen Fällen kann die Hyposensibilisierungstherapie die allergischen Beschwerden nicht verringern. Gerade bei Patienten, die auf mehrere Allergenquellen wie unterschiedliche Pollen und auch noch die Hausstaubmilben reagieren (d. h. mehrfach sensibilisiert sind), ist die richtige Allergenauswahl nicht immer einfach.

Bei Insektengiftallergikern kann mit der Hyposensibilisierung dagegen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ein Schutz vor schweren lebensbedrohlichen Reaktionen erreicht werden, was die Lebensqualität dieser Patienten erheblich verbessert.

 

 

 

 

 
Dr. med. Fadi Hallak (Facharzt für Hals- Nasen-Ohrenheilkunde, Schwerpunkt Allergologie, HNO-Chirurgie stationär und ambulant im St. Johannisstift)

Florianstr. 6, 33102 Paderborn
Tel.: 0 52 51 24 08 5
https://www.hno-hallak.de