Der Allergische / Anaphylaktische Schock

Anaphylaxie = Notfallsituation: Schnelles Handeln erforderlich

Der allergische Schock oder auch anaphylaktische Schock ist die schwerste aller allergischen Reaktionen und kann Auswirkungen auf den gesamten menschlichen Organismus haben. Er bedeutet Lebensgefahr. Eigentlich passiert dabei nichts anderes als bei einer herkömmlichen allergischen Reaktion: Nach der Sensibilisierung durch den Erstkontakt mit dem Allergen kommt es bei einem wiederholten Kontakt zu einer Sofortreaktion. Beim allergischen Schock wird der Botenstoff Histamin neben vielen anderen Botenstoffen in großer Menge freigesetzt. Dies kann zu einer sofortigen Erweiterung der Blutgefäße und einem gravierenden Abfall des Blutdrucks führen, im schlimmsten Fall zum Tod.

Anaphylaxie ist eine plötzlich eintretende allergische Überreaktion. Es kann zu verschiedenen Symptomen führen, wie:

  • Hautausschlag
  • Schwellungen
  • Atemnot
  • akutes Erbrechen
  • Abfall des Blutdrucks
  • beschleunigter Herzschlag
  • Bewusstlosigkeit
  • Schock

Häufig kommt es zu mehreren Symptomen gleichzeitig. Jährlich erleiden rund 10 Personen auf 100.000 Einwohner einen solchen lebensbedrohlichen allergischen Schock. Wahrscheinlich sind es durch die Dunkelziffer sogar noch wesentlich mehr. Hierbei kann es auch zu Todesfällen kommen.

Häufig wird eine Anaphylaxie durch folgende Elemente ausgelöst:

  • Baumnüsse
  • Erdnüsse
  • Fisch
  • Eier
  • Milch
  • Soja
  • Schalentiere
  • Insektenstiche (Bienen, Wespen)
  • Medikamente (z.B. Schmerzmittel, Antibiotika)

Die Hauptursache für Anaphylaxie bei Kindern sind Nahrungsmittel. Danach folgen Insektenstiche und Medikamente. Bei Erwachsenen wiederum stehen Insektenstiche an erster Stelle, gefolgt von Medikamenten und Nahrungsmitteln.

Erste Anzeichen einer anaphylaktischen Reaktion können sein:

  • Plötzlicher Juckreiz an Handinnenflächen oder Fußsohlen
  • Anschwellen der Augenlider, der Mundschleimhäute, Lippen, Zunge, Finger
  • Juckreiz am ganzen Körper
  • Juckende Quaddeln, Nesselausschlag (rote, erhöhte Hautstellen)
  • Atemnot, Hustenattacke, Druck in der Brust, Asthmaanfall
  • Bauchkrämpfe, Erbrechen, Durchfall, Übelkeit
  • Starker Schwindel, Kraftlosigkeit, Schwäche
  • Kollaps, Bewusstlosigkeit

Verhaltensregeln zur Vermeidung von Auslösern

Vermeidung von Bienen- und Wespenstichen:

  • Distanz zu blühenden Blumen und Pflanzen halten, nicht barfuß laufen
  • Nach Möglichkeit keine bunte Kleidung tragen
  • Keine hastigen Bewegungen in der Nähe von Bienen und Wespen machen
  • Vorsicht bei Picknick und Essen im Freien, keine Essensreste offen liegen lassen
  • Niemals direkt aus Flaschen oder Dosen trinken
  • Zuhause Insektenschutzgitter anbringen, insbesondere in den Schlafräumen
  • Keine stark parfümierten Haarsprays, Shampoos und Sonnencremes verwenden

Vermeidung von schweren Reaktionen auf Nahrungsmittel:

  • In Restaurants nachfragen, ob die jeweilige Speise wirklich frei ist vom auslösenden Allergen (Bei Unsicherheit die betreffende Speise lieber weglassen)
  • Beim Lebensmittelhändler nachfragen, ob das auslösende Allergen im Produkt enthalten ist
  • Bei verpackten Lebensmitteln die Zutatenliste lesen
  • Bei Unsicherheit den Hersteller oder Vertreiber des Produkts nach Details fragen. Besteht ein Anaphylaxie-Risiko, so sollten Lebensmittel gemieden werden, die nur Spuren des auslösenden Allergens enthalten (erkennbar am Hinweis: «kann...enthalten»)

 Vermeidung von Reaktionen auf Medikamente:

  • Alle behandelnden Ärzte inkl. Zahnärzte, medizinisches Praxisteam und Apotheken über die Medikamentenallergie informieren
  • Den Allergiepass stets bei sich tragen, um auch in Notfällen keine Medikamente zu erhalten, die allergische Reaktionen auslösen können
  • Bei neu verschriebenen Medikamenten sicherstellen, dass diese verträglich sind

 

Notfallset zur Soforthilfe (mit Adrenalin-Autoinjektor)

Grundsätzlich sollten alle Patienten nach einer anaphylaktischen Reaktion ein Notfallset zur Selbsthilfe erhalten, insbesondere wenn die Auslöser zukünftig nicht vermeidbar sind.

Ein Notfallset sollte folgende Medikamente enthalten:

  • Adrenalin Autoinjektor zur Selbstinjektion in den Muskel des Oberschenkels
  • Antihistaminikum als Trinklösung  oder als Tablette
  • Kortisonpräparat (flüssig oder oder in Tablettenform)
  • bei Patienten mit Asthma ein Bronchien-erweiterndes Medikament 

AGATE - Patientenschulungen

Wann und wie Sie die Medikamente des Notfalsets einsetzen und sich bei Auftreten von Anzeichen eines anaphylaktischen Schocks verhalten sollten, können Sie in strukturierten Schulungen erlernen. Im Internet finden Sie unter „www.anaphylayxieschulung.de“ die Arbeitsgemeinschaft Anaphylaxie – Training und Edukation e.V.; kurz AGATE. In Deutschland ist AGATE der Dachverband für Anaphylaxieschulungen. Sie können sich dort über ein Schulungszentrum in Ihrer Nähe informieren.

Vorgehen bei Anaphylaxie

Wenn Sie nach Verzehr von Essen oder nach einem Insektenstich Ihnen bisher unbekannte klinische Symptome - wie oben beschrieben – bemerken, sollten Sie sofort den Notarzt anrufen und andere Mitmenschen informieren.

Haben Sie nach einem zurückliegenden Schock bereits ein Notfallset erhalten, so sollten Sie dieses ständig bei sich haben. Bei einer beginnenden schweren Reaktion sofort die Notfallmedikamente anwenden und dann den Notarzt unter 112 verständigen. Nehmen Sie hierzu den Adrenalin-Autoinjektor aus Ihrem Notfallset. Nach dem Entfernen der Schutzkappe (Sicherung) drücken Sie die Vorderseite des Injektors für ca. 5 Sekunden gegen Ihren Oberschenkel. Achten Sie dabei auf die richtige Ausrichtung des Injektors, damit die Nadel in der Hektik nicht in den Daumen sticht. Dann lösen Sie den Injektor aus. Anschließend massieren Sie die Injektionsstelle vorsichtig. Nehmen Sie danach auch die weiteren Notfallmedikamente entsprechend den Anweisungen. Informieren Sie auch Menschen in Ihrer Umgebung oder lassen Sie diese den Notarzt rufen.